Terrorangriffe

Deutscher reist mit Piano für Friedenshymne auch nach Paris

Taksim-Platz, Maidan in Kiew und jetzt am Bataclan in Paris: Davide Martello war da, der Deutsche mit dem Piano und der Friedenshymne.

Pianist Davide Martello reiste mit seinem Flügel nach Paris und spielte vor dem Bataclan.

Pianist Davide Martello reiste mit seinem Flügel nach Paris und spielte vor dem Bataclan.

Foto: John Walton / picture alliance / empics/picture alliance

Paris.  Die Menschen in Paris stehen angesichts der Terroranschläge noch immer unter Schock. Ein Mann sorgte in dem Chaos jedoch für einen bewegenden Moment. Er setzte sich nahe der Konzerthalle Bataclan an ein Piano: Davide Martello, ein 34-Jähriger aus Deutschland, greift dann in die Tasten und spielt John Lennons Song „Imagine“.

Es war ein außergewöhnliches Bild, was sich den Sicherheitskräften, Journalisten und Passanten im 11. Pariser Arrondissement bot. Mit dem Fahrrad war Martello vor dem Bataclan vorgefahren. Er hatte sein großes Piano im Schlepptau, stieg vom Rad und begann zu spielen – als Zeichen des Friedens. Um ihn herum bildete sich eine Menschenmenge. Handys wurden gezückt, Kameras und Mikrofone der Journalisten auf ihn gerichtet, um den Moment einzufangen.

Der Pianist kommt aus Deutschland

Martello hat auf Twitter und Facebook die Aktion bestätigt. Während die Anschläge stattfanden, saß er gerade in einem Irish Pub in Konstanz und sah sich das Fußballspiel an. Als er realisierte, was in der französischen Hauptstadt vor sich geht, entschloss er sich, sofort mit seinem Piano dorthin zu reisen, wie er am Samstagnachmittag auf seiner Facebook-Seite schrieb.

Eigentlich wollte er mit seinem Flügel am Wochenende in den Straßen von Konstanz spielen, sagte die Pläne aber für die Reise kurzerhand ab. Mittlerweile ist Martello wieder zurück in Deutschland – „sicher und müde von der 24-stündigen Fahrt“. „Das war einer der bewegendsten Momente meines Lebens, und ich muss mich erholen und das, was in der kurzen Zeit geschehen ist, reflektieren“, hieß es in dem Eintrag weiter.

Martello spielte bereits auf dem Maidan-Platz

Es ist nicht das erste Mal, dass Martello seine Musik an Orte bringt, an denen zuvor Angst und Schrecken verbreitet wurden. Er spielte bereits auf dem Maidan-Platz in Kiew und vor drei Jahren auch zwischen Demonstranten und Polizisten auf dem Taksim-Platz in Istanbul. In Köln setzte er sich im vergangenen Jahr an sein Instrument und beruhigte mit seinem Spiel die HoGeSa-Demonstranten (Hooligans gegen Salafisten). Auch damals setzte er auf Lennon – fand damit aber wenig Gehör. „Ich wollte eine gewisse Ader treffen. Ich war nicht für oder gegen eine gewisse Gruppierung, wenn ich spiele, bin ich unparteiisch. Ich wollte, dass die Menschen nach Hause gehen“, sagte er damals in der TV-Sendung „Kölner Treff“.