Berlin

Vorsicht vor dem Superhirn

Volleys-Gegner Düren hat den innovativsten und jüngsten Trainer der Liga: Anton Brams

Berlin.  – Als Anton Brams im Bus Richtung Berlin saß und aufzählte, wen er beim Kurzbesuch der Heimatstadt alles treffen möchte, war schnell klar, dass er gutes Zeitmanagement braucht. Da gibt es zum Beispiel Sebastian Kühner, Zuspieler der BR Volleys, mit dem Brams vor acht Jahren Abitur gemacht hat. Eine Freundschaft pflegt er auch zu den US-Spielern Paul Lotman und Erik Shoji, mit denen er als Co-Trainer kürzlich den Weltcup gewann.

Praktischerweise sieht Brams diese Drei versammelt am Sonnabend, wenn die BR Volleys seine Powervolleys Düren empfangen (18.30 Uhr, Schmeling-Halle). Seit dieser Saison ist der 27-Jährige Cheftrainer in Düren, der jüngste, den der Klub je hatte. Vor der Verpflichtung habe man sich schon Gedanken über sein Alter gemacht, gibt Dürens Geschäftsführer Rüdiger Hein zu. „Aber dann erschien er hier und wirkte sehr reif.“ Brams, der früher Willert hieß, bringt zudem Qualifikationen mit, von denen andere nur träumen: Als Assistenzcoach des US-Teams gewann er 2014 die Weltliga und 2015 den Weltcup, außerdem gründete er in den USA ein Unternehmen, das Analyse-Programme im Spitzensport entwickelt. Damit will er nun auch den deutschen Volleyball revolutionieren.

„Anton hat sich schon als Spieler sehr für Statistiken interessiert“, sagt Michael Warm. Der Trainer des aktuellen Tabellenführers United Volley Rhein Main leitete von 1998 bis 2005 in Berlin die Juniorenmannschaft des VC Olympia. Zu der gehörte zeitweise auch Brams. Wegen Problemen mit Hüfte und Bandscheibe musste er aber schon als 18-Jähriger mit Leistungssport aufhören. „Viel Zeit, darüber nachzudenken hatte ich nicht“, sagt Brams. Denn ab diesem Moment startete seine Trainerkarriere: Durch eine spontane Vertretung fiel ihm zunächst das Damenteam des BBSC in die Hände, das er parallel zu Bachelor-Abschlüssen in BWL und Kommunikationswissenschaften bis zur Regionalligameisterschaft führte. Anschließend arbeitete er als Assistenztrainer beim VCO und der Junioren-Nationalmannschaft, dann machte er im Ausland Karriere.

An 40 Universitäten bewarb sich Brams für einen Master in Kommunikation, die University of Hawaii bot ihm schließlich ein Vollstipendium an, als Trainer. Dort wurde John Speraw, Trainer der University of Los Angeles (UCLA), auf Brams aufmerksam. „Speraw hatte ein Doktorprogramm an der UCLA für mich im Sinn, aber die Bewerbungsfrist war gerade abgelaufen“, sagt Brams. Wochen später meldete sich Speraw aber erneut. Er war inzwischen zum Headcoach der US-Volleyballer ernannt worden. „Als er mich fragte, habe ich sofort meine Sachen gepackt“, sagt Brams. Als Technischer Koordinator trägt er seither zum Erfolg des US-Teams bei. „Jemand sagte mir, so jemanden wie ihn findet man vielleicht nur alle 40 Jahre“, sagt Speraw.

Fehler als Basis für Weiterentwicklung der Spieler

Eigentlich hatte er nie den Plan, Trainer zu werden, sagt Brams. „Ich sehe das auch nicht als Beruf, sondern als das, was ich gern tue.“ Diese Herangehensweise möchte er auch Spielern vermitteln. „Sie sollen eigenverantwortlich handeln, den Sport aus Spaß machen. In Deutschland fehlt bei der Entwicklung der Spieler ein bisschen die Komponente Mensch.“ Auch in den Statistikanalysen geht es Brams zu oft um reine Zahlen. „Wenn ein Angreifer einen Fehler gemacht hat, würde ich gern sehen können, ob der Zuspieler ihm danach gleich noch mal den Ball gegeben hat und ob er damit Erfolg hatte.“ Brams sieht Fehler als Basis für die Weiterentwicklung der Spieler. In Düren möchte er so den nächsten Entwicklungsschritt machen, sagt Superhirn Brams. Ein Sieg gegen die BR Volleys wäre ein schöner Beleg dafür.