Shenyang –

China versinkt im Mega-Smog

| Lesedauer: 2 Minuten
VON FELIX LEE

Vor allem der Osten des Landes ist betroffen. Die Bürger sind entsetzt

Shenyang. Viele Menschen in Chinas Nordosten hatten gedacht: Smogtage mit Extremwerten gehören der Vergangenheit an. Nachdem im Winter 2013 die Feinstaubwerte bei dem 40-fachen des Grenzwerts lagen, ließ die Regierung seitdem Tausende Fabriken und Hochöfen schließen und Millionen von Kohleheizungen verbieten. Doch zum Winterbeginn kehrt nun Ernüchterung ein: Die Luftverschmutzung lag jetzt im Nordosten Chinas sogar so hoch wie seit Beginn der Aufzeichnung nicht.

Die Feinstaubwerte in Changchun, der Provinzhauptstadt von Jilin, kletterten auf 860 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. In Shenyang, der Hauptstadt der Nachbarprovinz Liaoning, lag der Wert bei über 1200 Mikrogramm. In einigen Regionen wurden sogar über 1400 Mikrogramm gemessen. Die ganze Region versank auch am Montag unter einer gelbgrauen Dunstglocke. Die Sicht liegt zum Teil bei unter fünf Metern.

Die Feinstaubpartikel gelten als besonders gefährlich. Denn sie können beim Atmen bis in die Lungenbläschen und die Blutlaufbahn geraten und Krebs auslösen. Laut Studien seien sie auch für Herzinfarkte und Lungenkrebs verantwortlich.

Als offizielle Begründung wird der Beginn der Heizperiode genannt. In China wird rund zwei Drittel der Energie nach wie vor durch Verbrennung von Kohle gewonnen.

Die Bürger sind entsetzt: Bei Smogwerten von über 300 sei Peking wie in dem Horrorfilm „Silent Hill“, schreibt die Bloggerin Qian Zhou. „Werte von über 1400 sind der Weltuntergang.“ Im chinesischen Staatsfernsehen wird eine 14-jährige Schülerin auf den Straßen von Shenyang gezeigt, die auf dem Weg zur Schule über brennende Augen, Halsschmerzen und Kopfschmerzen klagt. „Aus dem Haus treten, ist wie gegen eine Betonwand rennen“, bloggt Tiay Jin You, ebenfalls ein Bewohner von Shenyang.

Die Stadtverwaltung der Fünfmillionenmetropole Changchun rief dazu auf, möglichst wenig Zeit im Freien zu verbringen und umweltfreundliche Verkehrsmittel zu nutzen.

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