Flugzeugabsturz

Russland schließt Anschlag auf Flugzeug in Ägypten nicht aus

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Auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel war ein russisches Flugzeug am 31. Oktober 2015 abgestürtzt. Es starben 224 Menschen.

Auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel war ein russisches Flugzeug am 31. Oktober 2015 abgestürtzt. Es starben 224 Menschen.

Foto: Maxim Grigoriev / Russian Emerge / dpa

Führte eine Explosion zum Flugzeugabsturz in Ägypten? Bisher zog Russland diese Option nicht offiziell in Erwägung. Jetzt schon.

Kairo/Moskau.  Eine Woche nach dem Absturz einer russischen Passagiermaschine in Ägypten mit 224 Toten hat erstmals auch die russische Führung einen Terroranschlag als Ursache des Unglücks nicht ausgeschlossen. „Ein terroristischer Anschlag zählt weiter zu den wahrscheinlichen Gründen, warum das passiert ist“, sagte Regierungschef Dmitri Medwedew der Regierungszeitung „Rossijskaja Gaseta“.

Die Führung in Moskau hatte das Wort Anschlag bislang vermieden und erklärt, die Frage der Ursache sei offen. Derweil standen in Ägypten mangelhafte Sicherheitsmaßnahmen gegen mögliche Anschläge auf dem Prüfstand.

Eine Gruppe russischer Experten flog nach Angaben von Vizeregierungschef Arkadi Dworkowitsch nach Ägypten, um dort mit den Behörden über die Sicherheit an Flughäfen zu beraten. Weitere Spezialisten sollten folgen. Dabei würden Empfehlungen für zusätzliche Maßnahmen gegeben, hieß es. Die Ermittlungen zur Absturzursache konzentrieren sich nach mehreren Hinweisen auf eine Bombe an Bord des russischen Ferienfliegers auf ein verdächtiges Geräusch unmittelbar vor der Katastrophe.

Blackbox nahm vor dem Absturz ein Geräusch auf

Der Chef des internationalen Ermittlerteams, Ayman al-Mokadem, hatte am Wochenende in Kairo gesagt, ein Geräusch sei „in der letzten aufgenommenen Sekunde des Flugschreibers gehört“ worden. Die Sequenz müsse nun von Spezialisten untersucht werden. Für Rückschlüsse sei es aber noch zu früh. Ausgeschlossen werde kein Szenario. Die Trümmerteile des Flugzeugs lägen über eine Länge von 13 Kilometern verstreut, dies könne auf ein Auseinanderbrechen der Maschine in der Luft – 23 Minuten nach ihrem Start im Badeort Scharm el Scheich – hindeuten. Das Wrack solle zur weiteren Untersuchung nach Kairo gebracht werden, sagte al-Mokadem.

An den Untersuchungen sind laut der Ermittler 58 Experten aus Ägypten, Russland, Deutschland, Frankreich und Irland beteiligt. Außenminister Samih Schukri erklärte, man werde sich „keine Hypothese zu eigen machen, bevor die Untersuchung nicht abgeschlossenen ist“.

Bundesregierung glaubt ebenfalls an einen Anschlag

Internationale Geheimdiensthinweise legten zuletzt nahe, dass der Airbus A321 der sibirischen Airline Kolavia durch einen Sprengsatz der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an Bord vom Himmel geholt wurde. Alle 224 Menschen an Bord starben. Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung“ vermutet auch die Bundesregierung den IS hinter dem Absturz.

Die Sicherheitsmaßnahmen an ägyptischen Flughäfen gelten als gering. Reisende berichten von unzureichenden oder ganz ausbleibenden Kontrollen. Es ist ohne weiteres möglich, Flaschen mit Flüssigkeiten oder Glas im Handgepäck in die Maschine zu bringen. Die schlecht bezahlten Angestellten führen ihre Arbeit häufig unmotiviert und oberflächlich aus. Ein internationaler Sicherheitsexperte sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass es an ägyptischen Flughäfen leicht sei, verbotene Gegenstände an Bord zu schmuggeln, solange man jemanden vom Personal kenne oder genügend Geld bezahle.

Ägypten streitet Sicherheitsmängel an Flughäfen ab

Das ägyptische Luftfahrtministerium hingegen betonte, alle Flughäfen im Land entsprächen internationalem Standard. Sie würden regelmäßig auf nationaler wie internationaler Ebene überprüft.

Derweil wurden seit Russlands Stopp der regulären Flugverbindungen nach Ägypten am Freitag bereits etwa 25.000 festsitzende russische Touristen mit Sonderflügen nach Hause gebracht. Insgesamt waren nach Behördenangaben etwa 80.000 russische Urlauber in Ägypten gestrandet. Russland hatte am Freitag wegen Sicherheitsbedenken sämtliche Flüge in das Land am Nil gestoppt. Auch Tausende britische Touristen sind nach wie vor im Südsinai gestrandet. (dpa)

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