Bootsflüchtlinge

Flüchtlingsbaby Sophia auf deutscher Fregatte geboren

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Sophia kam 100 Kilometer östlich von Sizilien auf der Fregatte „Schleswig Holstein“ zur Welt.

Sophia kam 100 Kilometer östlich von Sizilien auf der Fregatte „Schleswig Holstein“ zur Welt.

Foto: Petersen / dpa

Sophia ist an Bord eines Marineschiffes geboren. Nun kommt die Crew zurück in den Heimathafen. Das Mädchen ist inzwischen in Italien.

Wilhelmshaven.  Bootsflüchtlinge retten, Schleuser aufspüren und Geburtshilfe leisten: Die Fregatte „Schleswig-Holstein“ hat in den vergangenen fünf Monaten viel zu tun gehabt. Als erstes deutsches Marineschiff hat sie bei der internationalen Mission „Eunavfor Med“ im Mittelmeer Seenotrettung geleistet und Menschenschmuggel verhindert.

Dabei rettete die Besatzung nach Marineangaben 4224 Flüchtlinge aus kleinen Booten, darunter waren 339 Kinder. Am Samstag kehrt die Crew nach 160 Tagen und rund 48 522 Kilometern auf See in ihren Heimatstützpunkt Wilhelmshaven zurück.

Die erste Geburt auf einem deutschen Marineschiff

Mit an Bord der Fregatte war eine Weile auch die kleine Sophia. Sie wurde am 24. August um 4.15 Uhr geboren. Ihre Mutter Rahma A. brachte sie auf der „Schleswig-Holstein“ zur Welt – nach fünfmonatiger Flucht, die in der somalischen Hauptstadt Mogadischu begonnen hatte. Sophia war bei ihrer Geburt 49 Zentimeter groß und 3000 Gramm schwer.

Ein Stabsarzt half bei der Entbindung. Ein großes Glück für die 33 Jahre alte Mutter. Sie war völlig entkräftet, als sie gemeinsam mit 450 weiteren Flüchtlingen 100 Kilometer östlich von Sizilien gerettet wurde. Den Helfern an Bord fiel sie sofort auf. „Sie wurde gleich auf die Krankenstation gebracht“, sagte der Obermaat. Inszwischen sind Mutter und Kind in Italien, die Besatzung der Fregatte brachte die beiden dort an Land.

Sophia ist das erste Baby, das an Bord eines Schiffes der Deutschen Marine entbunden wurde. Ihr Name Sophia ist abgeleitet vom Funkrufnamen „Sophie X“ der Fregatte „Schleswig-Holstein“.

„Operation Sophia“ heißt der EU-Marineeinsatz

Der Name des Flüchtlingsbabys Sophia war später auch Vorlage für die Bezeichnung „Operation Sophia“, wie der EU-Marineeinsatz auch genannt wird. Daran sind rund 2100 Soldaten und Zivilpersonal aus 22 Nationen mit Schiffen und Flugzeugen beteiligt. Sie sollen Netzwerke von Schleusern aufklären. Dabei werden Funk und Handy-Ausstrahlungen und optische Beobachtungen ausgewertet. So könnten auch größere Menschenansammlungen am Strand vor dem Ablegen von Flüchtlingsboote bemerkt werden, sagte ein Marinesprecher. Wichtigste Quelle der Aufklärung seien jedoch Hinweise von geretteten Flüchtlingen mit ihren Angaben über ihre Herkunft und Fluchtwege.

Die Marineschiffe dürfen außerhalb der libyschen Küstengewässer fahrende Schiffe von Menschenschmugglerbanden stoppen und durchsuchen. Mutmaßliche Kriminelle müssen dann mit einer Festnahme rechnen.

Die Erfolgsaussichten von „Sophia“ sind jedoch umstritten. Militärs schließen Unfälle und Todesfälle bei den Einsätzen auf Hoher See nicht aus. Die Grünen haben Klage gegen die Bundesregierung beim Verfassungsgericht eingereicht. (jha/dpa)

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