Flüchtlinge

Festnahmen bei bundesweiter Jagd auf Schleuser

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Bundespolizisten führen in Hildesheim (Niedersachsen) einen Mann ab. Mehrere Personen wurden bei der groß angelegten Razzia gegen Schleuser in mehreren Bundesländern festgenommen.

Bundespolizisten führen in Hildesheim (Niedersachsen) einen Mann ab. Mehrere Personen wurden bei der groß angelegten Razzia gegen Schleuser in mehreren Bundesländern festgenommen.

Foto: Chris Gossmann / dpa

Mehrere Festnahmen bei bundesweiten Razzien gegen mutmaßliche Schleuser. Die Gruppe brachte Menschen zum Teil erst auf die Fluchtidee.

Essen/Hildesheim.  Offenbar erfolgreicher Schlag gegen ein Schleusernetzwerk in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg: 570 Beamte der Bundespolizei durchsuchten am Mittwochmorgen an 24 Orten in Deutschland, dabei war zum Teil Verstärkung von Sondereinsatzkräften und der Landespolizei. Mehrere Menschen wurden festgenommen.

In Nordrhein-Westfalen waren die Ermittler in Essen, Gelsenkirchen, Solingen, Gladbeck und Wuppertal im Einsatz, wie eine Sprecherin der Bundespolizei in Hannover unserer Redaktion sagte. Schwerpunkt war offenbar Essen. Dort wurde ein 24-Jähriger verhaftet, der als Hauptbeschuldigter gilt, wie Polizei und Staatsnwaltschaft nach Abschluss der Aktion mitteilten. Unter anderem wurden Akten, aber auch Macheten, Schwerter, Messer, Munition für Handfeuerwaffen und diverse Passdokumente entdeckt. Sondereinsatzkräfte waren eingebunden, weil die Polizei in einigen Fällen „von einer besonderen Gefährdungslage“ ausging.

17 Personen unter Verdacht

Ingesamt 17 Personen stehen im Verdacht, vor allem Libanesen und Syrier mit falschen Papieren versorgt und illegal nach Deutschland gebracht zu haben. Auch in Hildesheim wurde ein Mann festgenommen. Dort konzentrierten sich die Ermittlungen in Niedersachsen. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hildesheim hatten nach Hinweisen auf ein „international weit verzweigtes Schleusernetzwerk“ auch den Anstoß zu den Durchsuchungen gegeben. Durchsucht wurden Geschäftsräume und Wohnungen.

Für 10.000 Euro nach Deutschland

Der 24-jährige Hauptbeschuldigte soll ein Kontaktnetz in viele Länder genutzt haben, um gefälschte Dokumentem, Flüge und Begleitungen für die geschleusten Personen zu organisieren. Bis zu 10.000 Euro verlangte die Gruppe für die Einreise nach Deutschland, so die Ermittler. Die Schleuser warben dabei offenbar so offensiv für ihre Dienste, dass sie in einigen Fällen Menschen so erst zur Flucht anstifteten.

Zehnköpfige Familie saß in Malaysia fest

Doch ihre Versprechungen konnte die Gruppe oft nicht halten. Öffentlich wurde der Fall einer zehnköpfigen Familie aus dem Libanon, die sich in einem arabischsprachigen Sender beklagte. Sie fühlte sich betrogen: Weil die Fälschung den Behörden auf der Reise aufgefallen war, saß die Familie sich selbst überlassen fast mittellos wochenlang in Kuala Lumpur in Malaysia fest. Flüchtlingshilfswerk und deutsche Botschaft vermittelten dann die Weiterreise aus humanitäten Gründen.

Der Bundesnachrichtendienst (BND) hatte erst kürzlich angesichts der wachsenden Zahl von Flüchtlingen aus Afghanistan vor einem international tätigen Schleppernetzwerk gewarnt. Bei seinen Analysen der Vorgänge auf den Fluchtrouten habe der deutsche Auslandsgeheimdienst in Afghanistan „eine hochprofessionelle Schleuserstruktur ausgemacht, deren Netzwerk über die Türkei bis nach Griechenland, Italien und Frankreich reicht“, sagte BND-Präsident Gerhard Schindler. Der Dienst analysiere in diesem Zusammenhang auch die Infrastruktur entlang der Fluchtrouten und den Geldfluss. (law)

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