München

Uli Hoeneß will vorzeitig aus der Haft

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Auch für den Rekord-Steuerflüchtling gilt Paragraf 57, Absatz 2

München.  Wenn es nach Uli Hoeneß geht, ist er wohl schon in vier Monaten wieder ein freier Mann, zumindest auf Bewährung. Der ehemalige Präsident von Bayern München hat einen Antrag auf „Gewährung der Halbstrafe“ gestellt. Der 63-Jährige hätte demnach im März 2016 seine ursprünglich dreieinhalbjährige Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung verbüßt. Michael Nesselhauf, Medienanwalt von Hoeneß aus Hamburg, bestätigte am Dienstag einen entsprechenden Bericht der „Bild“-Zeitung. Die Staatsanwaltschaft München II wollte sich dagegen auf Anfrage des Sport-Informations-Diensts (SID) zum Vollstreckungsverfahren „grundsätzlich nicht äußern“.

Einen Promibonus genießt Steuersünder Hoeneß demnach aber nicht. Nach Paragraf 57 (Absatz 2, Nummer 2) des Strafgesetzbuches darf die Hälfte der Strafe auf Bewährung ausgesetzt werden. Voraussetzung: Es muss die erste Straftat gewesen sein, zudem muss die Sozialprognose positiv sein. Beides trifft bei Hoeneß zu. Auch muss die Gesamtwürdigung von Tat, Persönlichkeit des Verurteilten und Entwicklung während des Strafvollzugs ergeben, dass besondere Umstände vorliegen. Die Hälfte der 42 Monate dauernden Haft von Hoeneß endet am 2. März 2016. Nach Angaben der „Bild“ hat Hoeneß auch schon seine hinterzogenen Steuern samt Zinsen in Höhe von rund 50 Millionen Euro an das Finanzamt Miesbach zurückgezahlt. Seit Anfang des Jahres ist der frühere Manager Freigänger und arbeitet in der Nachwuchsabteilung des FC Bayern. Fünf Nächte in der Woche muss er nach wie vor im Freigängerhaus in Rothenfeld verbringen. Dorthin war er von der Justizvollzugsanstalt Landsberg/Lech verlegt worden.

Sein erstes Ziel ist ein Urlaub mit seiner Frau

Was Hoeneß nach seiner Haftentlassung plant, ist nicht bekannt. Laut „Bild“ will er erst einmal mit seiner Frau Susi Urlaub machen, um über seine Zukunft nachzudenken. Vor Antritt seiner Haftstrafe hatte Hoeneß bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des FC Bayern erklärt: „Das war’s noch nicht!“ Dass er als Präsident der Bayern zurückkehren wird, gilt momentan eher als unwahrscheinlich. Karl Hopfner hat das Amt des Präsidenten und des Aufsichtsratsvorsitzenden von Hoeneß übernommen.

In den letzten Wochen war Hoeneß schon wieder verstärkt in der Öffentlichkeit zu sehen gewesen. So besuchte er etwa die Grundsteinlegung des neuen Nachwuchsleistungszentrums der Bayern. Zudem war er beim Basketball im Audi-Dome.

„Möglicherweise wäre es für Uli auch besser, ein bisschen mehr das Leben zu genießen, nicht nur immer wieder irgendwelchen Erfolgen hinterherzurennen“, sagte Ulis Bruder Dieter Hoeneß vor einigen Monaten. „Aber die Entscheidung muss er selber treffen und wird er auch treffen nach reiflicher Überlegung.“

Der frühere Europa- und Weltmeister Uli Hoeneß war wegen Hinterziehung von 28,5 Millionen Euro verurteilt worden. Am 2. Juni 2014 hatte er seine Haftstrafe im Gefängnis Landsberg am Lech angetreten.