Urteil

Student zeigte Hitlergruß – Anne-Frank-Aufsatz als Strafe

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Im Namen Justitias muss ein Student einen Aufsatz über das Tagebuch der Anne Frank schreiben.

Im Namen Justitias muss ein Student einen Aufsatz über das Tagebuch der Anne Frank schreiben.

Foto: imago

Geschichtslektion als Strafe: Weil ein Student den Hitlergruß zeigte, muss er nun einen Aufsatz über Anne Franks Tagebuch schreiben.

Wolfsburg.  Weil er den Hitlergruß gezeigt hat, soll ein 19-jähriger Student das Tagebuch der Anne Frank lesen. Darüber muss er binnen zwei Monaten eine sechsseitige Zusammenfassung schreiben, wie der Direktor des Amtsgerichts Wolfsburg, Henning Lüdtke, am Dienstag sagte.

Eine Jugendrichterin hatte den Wolfsburger am Montag wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verurteilt, wie die „Wolfsburger Nachrichten“ und die „Wolfsburger Allgemeine“ berichteten.

Nicht zum ersten Mal Lektüre als Strafe

Es ist nicht das erste Mal, dass Gerichte jungen Menschen Anne Frank als Lektüre verordnen. So legte im Mai das Amtsgericht im bayerischen Weißenburg einem 18-Jährigen auf, seine Erkenntnisse aus dem Tagebuch in einem Gespräch zu erläutern. Er hatte rechte Parolen im Internet gepostet. Bereits 2011 entschied das Amtsgericht Kassel, dass eine 16-Jährige Anne Frank lesen soll, weil sie Wahlplakate mit Hakenkreuzen und SS-Runen beschmiert hatte.

Es gebe bei Jugendgerichten häufiger die Auflage, Bücher zu Ereignissen und Geschichten des Dritten Reiches zusammenzufassen, sagte der Wolfsburger Gerichtsdirektor Lüdtke. Das sei ein Mittel, um junge Menschen, die noch nicht gefestigte Neonazis seien, positiv zu beeinflussen.

Tagebuch ist wichtige Erinnerung an den Holocaust

Das Tagebuch der Anne Frank ist eines der wichtigsten Zeugnisse des Leidens im Holocaust. Darin wird das Leben, Hoffen und Bangen in einem Amsterdamer Hinterhaus geschildert, in dem sich Anne Frank, ihre Familie und einige Freunde von 1942 bis 1944 vor dem Nazi-Terror versteckten. Im August 1944 flog das Versteck auf. Anne Frank wurde verhaftet und starb in Bergen-Belsen an Typhus. Ihr Vater überlebte den Holocaust und veröffentlichte das Tagebuch 1947.

In dem Wolfsburger Fall hatten Polizisten den 19-Jährigen dabei beobachtet, wie er am Vatertag den Hitlergruß zeigte. Die Beamten hatten ihn nach Gerichtsangaben im Visier, weil er zuvor auf einer Wiese am Schillerteich uriniert hatte. Der 19-Jährige muss neben der Lektüre von Anne Frank 30 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Vor Gericht bestritt er die Tat. (dpa)