Flugzeugunglück

Was über den Kolavia-Absturz bekannt ist - und was nicht

Zur Absturzursache der russischen Passagiermaschine kursieren viele Gerüchte. Welche gesicherten Informationen gibt es mittlerweile?

Die Absturzursache des russischen MetroJet Airbus A321 ist nach wie vor ungeklärt.

Die Absturzursache des russischen MetroJet Airbus A321 ist nach wie vor ungeklärt.

Foto: Maxim Grigoriev / Russian Emerge / dpa

Moskau.  Nach dem schwersten Flugzeugabsturz in der russischen Geschichte mit 224 Toten in Ägypten suchen Ermittler nach den Ursachen. Was wissen wir zum jetzigen Zeitpunkt über die Absturzursache, und was wissen wir noch nicht? Einige zentrale Fragen:

Hat die Technik des Airbus A321 versagt?

Die sibirische Fluggesellschaft Kolavia betont, die mehr als 18 Jahre alte Maschine sei technisch in Ordnung gewesen. Russische Behörden bestätigen, dass das Unternehmen alle Zertifikate besessen habe. Moskauer Medien zufolge wurde das Heck des Airbus jedoch bei einer Landung in Kairo 2001 beschädigt. Sie zitieren Experten mit den Worten, trotz der Reparatur sei dieses Teil eine Schwachstelle geblieben. Dafür spreche, dass das Heck nach dem Absturz rund acht Kilometer vom restlichen Wrack entfernt gelegen habe. Zudem habe die Maschine in den vergangenen Jahren mehrere Besitzer gehabt.

Ist der Hergang der Katastrophe geklärt?

Als unbestritten gilt, dass der Ferienflieger 23 Minuten nach dem Start im Badeort Scharm el Scheich über der Sinai-Halbinsel abstürzte. Ägyptische Behörden berichteten zunächst von einem Notruf der Crew. Dem widerspricht Kolavia-Vizechef Alexander Smirnow. Die Mannschaft sei zum Zeitpunkt der Katastrophe „vollständig arbeitsunfähig“ gewesen. Der Airbus habe in weniger als einer Minute massiv an Geschwindigkeit verloren und sei abgesackt. Russische Meteorologen schließen Wetterturbulenzen als Ursache aus: Zum Unfallzeitpunkt herrschten demnach gute Flugbedingungen.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Entscheidende Hinweise erhoffen sich die Ermittler vom Flugschreiber und vom Stimmenrekorder der Unglücksmaschine. Die „black boxes“ werden vermutlich in Ägypten ausgewertet. An den Ermittlungen sollen auch deutsche und französische Experten der Firma Airbus teilnehmen.

Was spricht für einen Anschlag als Absturzursache?

Seit Beginn der russischen Luftangriffe gegen Rebellen in Syrien vor einem Monat wächst in Moskau die Angst vor Terroranschlägen als Rache islamistischer Extremisten. Nach der Flugzeugkatastrophe hatte sich prompt ein Ableger der Miliz Islamischer Staat (IS) zu einem Anschlag auf das Flugzeug bekannt. Experten bestätigten die Echtheit dieser Mitteilung aber nicht.

Was macht einen Terrorakt hingegen unwahrscheinlich?

Einen Abschuss mit einer Rakete schließen Spezialisten aus, weil die Extremisten im Norden der Sinai-Halbinsel nicht über die nötigen Waffen verfügen sollen. Denkbar wäre indes eine Explosion an Bord der Maschine – etwa einer in den Airbus geschmuggelten Bombe. Zuletzt befeuerten Aussagen der Fluggesellschaft Kolavia Spekulationen um ein mögliches Fremdeinwirken. Doch Klarheit dürfte wohl erst die Auswertung der Flugschreiber bringen. (dpa)