Helsinki

Neue Studie: Finnische Forscher beweisen die Heilkraft der Musik

Helsinki.  Musik kann heilende Wirkung für Seelenleiden haben. Allerdings soll Musik, falsch eingesetzt, den psychischen Zustand von Menschen auch verschlechtern können. Das ergibt die gemeinsame Studie der drei finnischen Universitäten Helsinki, Jyväskylä und Aalto. Demnach kann das Musikhören einen tiefgreifenden und möglicherweise langfristigen Effekt auf den emotionalen Zustand des menschlichen Gehirns haben.

Grundsätzlich sei es sehr unterschiedlich und oft paradox, welche Musik wem hilft. „Viele frühere Studien zeigen, dass Menschen wirkliche Freude aus dem Hören trauriger Musik ziehen können, ohne dadurch depressiv zu werden“, sagte Emily Carlson von der Universität Jyväskylä. „Bei einigen hilft sie sogar, glücklicher zu werden.“ Dennoch konnten die Forscher einige Grundtendenzen ausmachen.

In ihrer Studie haben 123 Teilnehmer aus der Hauptstadt Helsinki, 68 Frauen und 55 Männer, zwischen 18 und 55 Jahren einen psychologischen Test durchgeführt. Darin wurden ihr psychischer Zustand bezüglich Depressionen, Angst, beziehungsweise emotionaler Labilität sowie ihre Musikvorlieben festgestellt. Darüber hinaus wurde ein Musikhörtest mit Auszügen von Filmmusik durchgeführt, weil dieses Genre sich besonders gut dazu eignet, Gefühle hervorzurufen. Die Reaktionen der Teilnehmer auf die unterschiedlichen Proben wurden dann mit psychologischen Tests sowie magnetischen Resonanzbildern des Gehirns gemessen.

Vorhandene Depressionen können auch verstärkt werden

Als Musiktherapeutin habe Carlson festgestellt, dass Patienten, die an Depressionen leiden, durch das Hören von unruheeinflößender Musik ihre Depressions- und Angstgefühle steigern können. Was Ursache und was Wirkung ist, sei jedoch noch unklar. „Wir brauchen weitere Studien“, sagte sie, „die untersuchen, ob das Hören von wütender oder trauriger Musik zu mehr Depressions- und Angstgefühlen führt – oder ob Angst- und Depressionserkrankungen dazu führen, vermehrt traurige oder aggressive Musik zu hören.“ Die Antwort sei vermutlich eine Mischung aus beidem. Menschen, die an Angst leiden, könnten dieses Gefühl durch die falsche Musikwahl steigern, so der Tenor.

Die Studie konnte auch aufzeigen, dass es deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt. Vor allem bei Männern, die als emotional labil eingestuft wurden, stiegen Anzeichen von Angst deutlicher an, wenn sie aggressive oder traurige Musikproben hörten. „Personen, die einen besseren Überblick über ihre Gefühlslage haben und darüber, wie Musik auf sie einwirkt, benutzen Musik häufiger, um ihre Gefühle zu regulieren.“