Port Moresby

In Papua-Neuguinea gibt es immer noch Hexenverfolgung

Port Moresby. ­Während am Wochenende Zombies, Monster und Hexen durch die Straßen Deutschlands zogen, ist vielen nicht bewusst, dass der Glaube an Hexen in manchen Ländern Realität ist. Im Pazifikstaat Papua-Neuguinea heißt der Glaube an Hexerei „Sanguma“ – vor allem Angehörige von Verstorbenen glauben daran, weil sie einen Schuldigen suchen: die Hexen.

Stella Kapipi war im vergangenen September gerade Opfer einer solchen Hexenjagd geworden. „Ich war unschuldig“, sagte sie, „und trotzdem wurde ich gefesselt, über ein Feuer gehängt und mit heißen Metallstangen gefoltert.“ Sie war für den Tod zweier Männer in ihrer Gemeinde verantwortlich gemacht worden. Nach stundenlanger Folter kam die Frau gerade noch mit dem Leben davon. Die Schuldigen wurden nie zur Verantwortung gezogen.

Auch Ende Oktober tauchte ein verstörendes Video auf YouTube auf, das die Folter von vier Frauen in Papua-Neuguinea zeigt. Die Frauen, die alle nackt und gefesselt sind, werden geschlagen, mit Macheten traktiert und heißen Metallstangen gefoltert, während sie beteuern, nichts mit dem Tod eines Mannes aus dem Dorf zu tun zu haben. Immerhin ermittelt in diesem Fall die lokale Polizei.

Verschärfte Gesetze bleiben bisher ohne Wirkung

Das Zaubereigesetz aus dem Jahre 1971 wurde inzwischen abgeschafft und Hexenmorde wurden unter Todesstrafe gestellt. „Doch trotz verschärfter Gesetze gelangen die meisten Fälle nach wie vor nicht einmal an die Öffentlichkeit“, sagt Miranda Forsyth, eine Juristin an der Australian National University in Canberra, die mit der lokalen Regierung an einem Aktionsplan arbeitet, um gegen Sanguma vorzugehen. Laut aktueller Statistiken sind in manchen Provinzen über hundert Menschen pro Jahr betroffen.