Terror

Günter Wallraff bot sich als Austauschgeisel für den IS an

Günter Wallraff ist für seine unkonventionellen Methoden bekannt. 2014 wollte er sogar zum IS – im Austausch gegen einen US-Soldaten.

 Günter Wallraff wollte sich gegen eine amerikanische Geisel in Syrien austauschen lassen.

Günter Wallraff wollte sich gegen eine amerikanische Geisel in Syrien austauschen lassen.

Foto: © Reuters Photographer / Reuter / REUTERS

Berlin.  Der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff hat sich im vorigen Jahr als Austauschgeisel für einen von Islamisten in Syrien gefangengehaltenen amerikanischen Soldaten angeboten. „Ich suchte Kontakt zur US-Botschaft und bot denen an, dass ich mich gegen ihn austauschen lasse“, sagte Wallraff jetzt der „Süddeutschen Zeitung“. Die USA lehnten jedoch ab.

„Ich gab mir ein Drittel Überlebenschancen“

Es kam allerdings zuvor sogar zu einem Treffen zwischen dem 73-Jährigen und einem Vertreter der Botschaft. Man habe ihm aber erklärt, ein Austausch käme nicht in Frage – unter anderem, weil die US-Behörden keine Überlebenschancen für Wallraff in Syrien sahen. „Ich sagte, dass ich das anders sehe: Das würde die doch beschämen, dass einer freiwillig dahin geht, auch noch ein Älterer. Ich habe mir ein Drittel Überlebenschancen gegeben“, so der 73-Jährige.

In dem konkreten Fall ging es um den ehemaligen US-Soldaten Peter Kassig, der eine Hilfsorganisation für Opfer des syrischen Bürgerkriegs gegründet hatte. Kassig war am 1. Oktober 2014 von IS-Terroristen verschleppt worden. Es war Wallraffs Geburtstag.

Vom eigenen Tod Sinnvolles erhofft

Im Falle eines Austausches hatte sich der Journalist selbst vom eigenen Tod offenbar noch etwas Sinnvolles erhofft. Der „Süddeutschen Zeitung“ sagte er jedenfalls: „Hätte man mich öffentlich massakriert, hätte es in Deutschland eventuell muslimische Jugendliche, die sich zum IS hingezogen fühlen, und für die ich wegen meiner Initiativen für Einwanderer vielleicht eine Orientierung bin, nachdenklich gemacht und sie am Ende von ihrem Entschluss abgebracht.“

Doch zu dem Angebot an die IS-Terroristen kam es nicht. Zwei Wochen nach dem Treffen mit dem Botschaftsvertreter sagten die US-Behörden Wallraff endgültig ab. Doch der Journalist ließ nicht locker. Er bot an, die vom IS geforderte Lösegeldsumme mit Spenden und aus der eigenen Kasse aufzubringen. „Durch die Privatinitiative würde das Lösegeld mithin weder von US-offizieller Seite gezahlt noch auf andere Weise damit in Verbindung gebracht werden können“, schrieb Wallraff damals an den US-Botschafter in Deutschland. Aber auch auf dieses Angebot ging die Botschaft nicht ein. Peter Kassig wurde im November 2014 im Alter von 26 Jahren vom IS in Syrien umgebracht.

Die seltsamen Methoden des Günter Wallraff

Es ist nicht das erste Mal, dass Günter Wallraff durch ungewöhnliche Aktionen oder Methoden für Aufsehen sorgt. 1985 erschien seine Buch-Reportage „Ganz unten“, in der Wallraff die erbärmlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen der Türken in der Bundesrepublik anprangerte. Als Türke „Ali“ – mit Perücke, schwarzem Schnurrbart und dunklen Kontaktlinsen – hatte der Autor monatelang recherchiert.

Ein anderes Mal schmuggelte Wallraff sich selbst als Reporter in die Redaktion von „Bild“ ein. Sein spektakulärer Report „Der Aufmacher“ beschrieb die Arbeitsmethoden in der Redaktion der Boulevardzeitung. Später machte er sich als Reporter für den TV-Sender RTL auf die Suche nach Missständen verschiedenster Art.