Sydney

20.000 Ballons bringen indonesischen Inseln Internet

Google hat das Projekt vor zwei Jahren in Neuseeland getestet

Sydney. Google will im kommenden Jahr 20.000 Ballons in die Stratosphäre über Indonesien schicken, die den weitläufigen Inselstaat mit Internet versorgen sollen. Das ist nicht alles: Der Konzern will einen Ring aus Ballons rund um die Erde formen.

Zunächst war „Project Loon“ so geheim, dass selbst die ersten Tester in Neuseeland vor zwei Jahren kaum wussten, was sie wirklich taten. Doch inzwischen ist Google von seinen Ballons, die aus 20 Kilometer Höhe abgelegene Regionen der Erde mit Internetzugang versorgen sollen, so überzeugt, dass es 20.000 Stück in den Himmel über Indonesien schicken will.

Indonesien ist ein ideales Land für Google, um das Konzept nach der Testphase großflächig auszurollen. Nur etwas über 70 Millionen der insgesamt 255 Millionen Indonesier haben laut der Tageszeitung Jakarta Post Internetzugang. Das liegt ganz einfach daran, dass das Land aus 17.000 Inseln besteht und es schier unmöglich ist, am Boden eine Infrastruktur für all diese Regionen aufzubauen.

Elektronik über Solarzellen mit Strom versorgt

Trotzdem ist die überwiegend junge Bevölkerung so technikbegeistert wie kaum eine andere auf der Welt. Smartphones gelten als Statussymbol und die indonesische Hauptstadt Jakarta ist Twitter-Weltmeister: Selbst Indonesiens Staatschef Joko Widodo kommuniziert am liebsten über soziale Medien mit seinen Bürgern. Und auch Indonesiens Lieblingsverkehrsmittel, die Motorradtaxis, werden inzwischen vom erfolgreichen Startup Go-Jek über eine App organisiert.

„Project Loon”, das die Ballons für Indonesien plant, ist Teil von Google X, eine Art Geheimlabor, in dem das Internetunternehmen über die Dachgesellschaft Alphabet nach Zukunftsideen forscht. Laut Google schweben die Ballons in der Stratosphäre in rund 20 Kilometer Höhe, rund zweimal so hoch wie Flugzeuge. In dieser Höhe werden sie nicht vom lokalen Wetter beeinträchtig, machen sich aber den Wind, der in dieser Höhe durchaus weht, zunutze, um dorthin zu gelangen, wohin sie sollen.

Über Software-Algorithmen sieht Google, wo die Ballons ungefähr platziert werden müssen, um ein flächendeckendes Internetnetzwerk zu erzielen. Es nutzt den Wind, der je nach Schicht unterschiedlich schnell und in unterschiedliche Richtungen weht, um die Ballons in die richtige Richtung zu „bugsieren“. Obwohl die Elektronik der Ballons über Solarzellen mit Strom versorgt werden, müssen sie derzeit noch alle hundert Tage erneuert werden. In Indonesien arbeitet Google mit lokalen Telekommunikationsunternehmen zusammen. Das Projekt soll zunächst zwölf Monate laufen. Preise für die Internetnutzung stehen noch nicht fest. Doch das Netz soll schnell genug sein, dass auch Nutzer in einsam gelegenen Regionen Videos anschauen oder online Einkäufe tätigen können.

Sri Lanka ist ein weiteres Land, das seinen Bürgern künftig Internetzugang über Googles Internet-Ballons ermöglichen will. Und in einem Interview mit der BBC verriet das Unternehmen zeitgleich, dass es daran arbeite, im kommenden Jahr einen Ring aus den Ballons um die gesamte Erde zu spannen.