Drei Tote

Schwert-Amoklauf erschüttert Schweden

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André Anwar
Schüler und Eltern verlassen nach dem Amoklauf die Kronan-Schule in Schweden.

Schüler und Eltern verlassen nach dem Amoklauf die Kronan-Schule in Schweden.

Foto: Bjorn Larsson Rosvall / dpa

Drei Menschen sind tot, auch der 21-jährige Amokläufer. Er trug eine Darth-Vader-Maske, als er die Schule im Westen Schwedens betrat.

Trollhättan.  Es ist der erste Amoklauf an einer Schule im relativ beschaulichen Schweden. Das Land steht unter Schock. Am Donnerstagmorgen kurz vor zehn Uhr drang ein schwarz gekleideter, schlanker Mann mit einer Darth-Vader-Maske und mit Kopfhörern, aus denen laute Musik dröhnte, in die Kronan-Schule mit rund 400 Schülern im westschwedischen Trollhättan ein.

Der 21-Jährige hatte zwei Waffen in den Händen. „Es handelt sich um ein großes Messer, eine Art Schwert und ein weiteres Messer“, sagte ein Polizeisprecher. Der Täter tötete damit einen Lehrer im Eingangsbereich und verletzte einen weiteren Lehrer. Dann ging er in die Schule. Er klopfte an die Türen der Klassenzimmer. Zwei Schüler im Alter von 11 und 15 Jahren öffneten. Der Täter verletzte beide schwer.

Die meisten Lehrer reagierten schnell und verschlossen die Klassenzimmer, in denen sie unterrichteten. Bei der Polizei ging um kurz nach 10 Uhr ein Notruf ein. Als die Beamten eintriefen, griff der 21-Jährige auch sie an. Die Polizei schoss den Mann nieder. Inzwischen ist der Täter identifiziert.

Attentäter erlag seiner Schussverletzung

„Vor der Schule waren massenweise Eltern, Schüler und Polizisten. Viele weinten, und waren unglaublich besorgt um ihre Kinder“, sagte eine Mutter der Zeitung „Aftonbladet“. Ihre Erleichterung sei riesig gewesen, als ihre Tochter gegen 12 Uhr unverletzt aus dem Gebäude kam. Alle Schüler wurden vor dem Austritt aus dem Gebäude von der Polizei erfasst – deshalb hatte es so lange gedauert, bis die Kinder hinaus durften.

Während der Zustand des niedergestochenen 15-Jährigen nach Notoperationen am Nachmittag stabil war, verstarb der 11-Jährige im Krankenhaus. Der Täter hatte ihm in die Brust und in die Leber gestochen. Der verletzte Lehrer schwebte auch am späten Nachmittag noch in Lebensgefahr, er hat erhebliche Wunden im Unterleib. Der Täter starb am Nachmittag im Krankenhaus. Er erlag seiner Schussverletzung in der Brust.

Spekulationen über Motive

Über mögliche Motive wollte die Polizei keine Auskünfte geben. In der Wohnung des Täters habe man allerlei Anhaltspunkte gefunden, wolle diese aber nicht kommentieren, hieß es auf einer Pressekonferenz am späten Nachmittag.

In schwedischen Medien wird darüber spekuliert, ob der Täter, der angeblich selbst nicht auf die Kronan-Schule gegangen ist, rechtsradikal gewesen sei. Auf die Kronan-Schule gehen vor allem Kinder aus Einwandererfamilien. Der Täter soll zumindest rechtsradikale Facebook-Seiten geliked haben, hieß es. Er könne ein Anders-Breivik-Nachahmer gewesen sein. Breivik hatte 2011 in Oslo und auf der norwegischen Insel Utøya insgesamt 77 Menschen getötet.

In einer Nachbarschule in Schweden soll nach Medienberichten am Mittwoch eine Warnung eingegangen sein, die Kronan-Schule am heutigen Donnerstag zu meiden. Die Informationen ließen sich am Nachmittag nicht bestätigen. Zur Frage ob es einen rassistischen Hintergrund für die Tat gäbe, antwortete Kriminalkommissar Thord Haraldsson „Wir haben das mit im Bilde, aber es ist nichts, was ich derzeit kommentieren möchte“.

Die Polizei sei sich aber bislang sicher, dass es sich beim 21-Jährigen Amokläufer um einen Einzeltäter handelt.

Ministerpräsident Lövfen besucht Kronan-Schule

Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfvén traf noch am Nachmittag in Trollhättan ein. Den Besuch des Regierungschefs werteten einige Journalisten als Zeichen für einen vermeintlich rechtsradikalen Angriff. „Dies ist ein schwerer Tag für Schweden. Ich denke an die Opfer und deren Familien, die Schüler und das Personal und die gesamte betroffene Gemeinde. Keine Worte können beschreiben, was sie gerade durchmachen. Wir fühlen mit ihnen und werden zusehen, dass sie die Unterstützung bekommen, die sie brauchen“, sagte der sichtlich betroffene Löfvén. Psychologische Krisenzentren wurden in einer naheliegenden Kirche und einem Jugendhaus eingerichtet.

Die Polizei vor Ort sprach von „einem der schlimmsten Ereignisse in Schwedens Geschichte“. Gerade Schulen und Kindergärten gelten im kinderfreundlichen Schweden als unantastbarer Hort der Sicherheit.

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