Paris

Aufstand der Toiletten-Frauen in Paris

Mitarbeiterinnen ziehen vor Gericht, weil die neue Betreiberfirma sie auf die Straße setzen will

Paris. Es gibt sicherlich appetitlichere Jobs als den einer „Dame Pipi“. So jedenfalls nennt der französische Volksmund jene Frauen, die sich um die Sauberkeit der öffentlichen Toiletten kümmern und dafür sorgen, dass deren von einem dringenden Bedürfnis getriebenen Besucher nicht das Tellerchen für die Münzen der bescheidenen Benutzungsgebühr übersehen. Aber die Toilettenfrauen von Paris, elf an der Zahl, hängen an ihrem Beruf.

Verzweifelt wehren sie sich dagegen, einfach abgeschafft zu werden. Mit Vornamen heißen sie Mahliya, Gabrielle, Awan oder Thi-Hoa. Die meisten von ihnen wurden im Ausland geboren, sind vom Rentenalter nicht mehr allzu weit entfernt und arbeiteten seit Jahrzehnten „unter Tage“ – sprich in den Toiletten an den großen Touristenattraktionen wie dem Eiffelturm, der Kathedrale Notre Dame oder auf dem Montmartre-Hügel. Im Juli jedoch wechselte der Betreiber der öffentlichen Bedürfnisanstalten in Paris und setzte alle bisherigen Angestellten kurzerhand auf die Straße.

Neun von ihnen wehrten sich und zogen mit einem Eilantrag vor das Arbeitsgericht. Da ihr Antrag vor wenigen Tagen jedoch abgelehnt wurde, gingen die Dames Pipi jetzt sogar in Berufung.

Vor allem aber erhoffen sie sich Hilfe von der Stadt. Tatsächlich bezeichnete das Rathaus, dem der schlagzeilenträchtige „Pariser Klo-Krieg“ hochnotpeinlich ist, die Entscheidung des Arbeitsgerichts als einen „Interpretationsfehler“ und versprach, alles zu tun, um eine „stabile berufliche Lösung“ für die entlassenen Frauen zu finden.

„Die behandeln uns wie alte Scheuerlappen, die man einfach wegwirft“, schimpft Gabrielle Adams (62). Mit „die“ ist das niederländische Unternehmen 2theloo gemeint, dessen Filiale Sarivo PointWC die öffentlichen Pariser Toiletten übernommen hat. Obwohl eine gesetzliche Vereinbarung der Reinigungsbranche die Weiterbeschäftigung der bisherigen Angestellten vorschreibt, sind die Holländer der Meinung, als Handelsbetrieb nicht unter diese Regelung zu fallen. Und tatsächlich folgte das Arbeitsgericht in erster Instanz dieser Argumentation.

Die Stadt Paris klagt von „2theloo“ nun eine „verantwortungsbewusstere Haltung“ ein. Doch zwingen kann sie das Unternehmen nicht, das derweil schon einmal große Pläne schmiedet. In edle „Toiletten-Boutiquen“ will es die stillen Örtchen künftig verwandeln. In dieses Konzept der Luxusklos aber passen die Dames Pipi wohl nicht hinein. Wo aber will man Mitarbeiter finden, die für einen Nettolohn von 1250 Euro im Monat Kloschüsseln putzen? Mehr nämlich haben Gabrielle, Mahliya und ihre Mitstreiterinnen vor der schnöden Entlassung nicht verdient.