Nizza

Unwetter verwüstet Urlauberparadies

An der Côte d’Azur ertrinken mindestens 17 Menschen bei Überschwemmungen

Großen Schaden nahmen einige Straßen in Cannes

Großen Schaden nahmen einige Straßen in Cannes

Foto: ERIC GAILLARD / REUTERS

Nizza. Strahlende Sonne, blauer Himmel, spätsommerliche Temperaturen – auf den ersten Blick scheint am Sonntagmorgen an der Côte d’Azur kaum etwas auf das Unwetter hinzudeuten, das die Urlaubsregion in der Nacht heimgesucht hat. Aber schon ein zweiter Blick offenbart die Verwüstungen, die die sintflutartigen Regenfälle an der französischen Mittelmeerküste angerichtet haben und durch die 17 Menschen ums Leben gekommen sind. Eine Opferbilanz, die am späten Sonntagnachmittag, als noch mindestens vier weitere Personen vermisst werden, von den Behörden als vorläufig bezeichnet wird.

Innerhalb von weniger als zwei Stunden waren über den bekannten Badeorten Cannes, Nizza, Mandelieu, Vallauris, Biot, La Napoule und Antibes bis zu 150 Liter Regen pro Quadratmeter niedergeprasselt. Im Handumdrehen verwandelten sich harmlose Bäche in reißende Flüsse und wälzten sich bis zu drei Meter hohe Wasser- und Schlammlawinen durch die Straßen. So heftig waren die Regenfälle und so unvermittelt die durch sie ausgelösten Überschwemmungen, dass zahlreiche Anwohner in ihren Wohnungen oder Autos von einer Minute auf die andere festsaßen und sich schwimmend in Sicherheit bringen mussten.

>>>Augenzeugenbericht: Die Côte d'Azur am Tag nach dem Unwetter

Allein im Ort Mandelieu starben sieben Menschen. Fünf von ihnen kamen ums Leben, weil sie ihre Autos aus einer überfluteten Tiefgarage in Sicherheit bringen wollten. In Biot musste die Feuerwehr ein Altenheim evakuieren, welches vom Hochwasser erfasst wurde. Doch für drei Senioren kam jede Hilfe zu spät, sie ertranken offenbar im Schlaf.

Ertrunken sind auch die drei Insassen eines Wagens, dessen Fahrer durch einen schon teils unter Wasser stehenden Tunnel in Vallauris steuern wollte, sowie eine Frau in Cannes, die von den steigenden Wassermassen in ihrem Fahrzeug auf einem Uferparkplatz eingeschlossen wurde.

Bei Antibes trat der Fluss Brague über die Ufer und überschwemmte das gesamte Gemeindegebiet. Die Urlauber auf zwei Campingplätzen konnten ihr Leben nur dadurch retten, indem sie in buchstäblich letzter Minute auf Bäume oder auf die Dächer von Wohnmobilen kletterten. Dort mussten sie stundenlang ausharren, bevor Rettungskräfte sie am frühen Morgen endlich mit Hubschraubern und Schlauchbooten befreiten.

Es waren die heftigsten Regenfälle seit einem halben Jahrhundert in der Region. Die Wasserläufe, die in der Folge über die Ufer traten, setzten nicht nur Garagen, Keller und Straßen unter Wasser. Sie unterspülten auch einen Teil des Straßen- und Schienennetzes. In die Hunderte ging die Zahl der Reisenden, die gestern wegen des komplett ausgefallenen Zugverkehrs in den Bahnhöfen von Toulon, Nizza und Cannes festsaßen.

Die Corniche, die als eine der schönsten Straßen der Welt gilt, war von Steinen gesäumt, die die schweren Regenfälle von den Bergen herabgespült hatten. Der Tunnel am Cap Estel war am Sonntag noch gesperrt, die Autos quälten sich den einspurigen alten Straßenverlauf entlang. Der Tunnel war extra gebaut worden, weil immer wieder Steine nach Unwettern diese Hauptverkehrsader blockiert hatten. Doch die gewaltigen Wassermassen ließen den Behörden keine andere Wahl.

Am schwersten wütete das Unwetter in Biot, einem kleinen Ort, der sonst eigentlich für seine Glasmanufakturen bekannt ist. Wer am Sonntag von der Küste nach Biot hochfahren wollte, scheiterte an einer völlig überfluteten Unterführung. Das Wasser stand immer noch meterhoch – davor mehrere Autos, die von den Fluten ineinandergeschoben worden waren. Die Straße war immer noch übersät mit Kieseln, die vom Strand angespült worden waren.

Hollande warnt vor neuen Unwettern

Frankreichs Staatspräsident François Hollande und Innenminister Bernard Cazeneuve eilten noch am Sonntagvormittag an die Côte d’Azur. „Den Menschen hier muss so rasch und unbürokratisch wie möglich geholfen werden“, sagte Hollande und kündigte an, die am schlimmsten betroffenen Gemeinden zum Notstandsgebiet erklären zu lassen.

Die Lage auf vielen Straßen sei noch sehr gefährlich, sagte Hollande und warnte vor neuen Unwettern.

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