London

Bizarre Aufnahmerituale an britischen Unis

| Lesedauer: 2 Minuten
Jochen Wittmann

Bier mit Hundefutter – wer Mitglied in den Studentenclubs sein will, muss leiden

London.  Der erste Drink war ein Bier mit Hundefutter. Der nächste enthielt Sardellen und ein rohes Ei. Der Ekelfaktor musste überwunden werden, erst dann war es geschafft: Willkommen im Hockey-Club an der Universität von York.

Wer Mitglied in Studentenclubs werden will, wie sie es an den meisten britischen Unis gibt, muss zuweilen erst einmal ein Aufnahmeritual durchmachen, bei dem die Ekelschwelle oft über dem liegt, was im „Dschungelcamp“ erwartet würde.

An der Universität von Edinburgh verlangte ein Rugby-Club von Neumitgliedern, zu einem Spiel nächtens in der Innenstadt zu erscheinen – und zwar vollkommen nackt. Besonderer Clou: Der Ball war ein lebendiges Huhn. Studenten am Imperial College London amüsierten letztes Jahr Fahrgäste in der Londoner U-Bahn mit einem Massenstripease. Und zum Aufnahmeritual der „Wyverns“, einer „Drinking Society“ in Cambridge, gehörte es, einen halben Liter Wasser mit einem lebendigen Goldfisch darin hinunterzuschlucken.

Studentenclubs aller Couleur gibt es an jeder britischen Uni, und die meisten sind ganz normale Vereine, die Interessen vom Schachspiel über Umweltschutz bis zur Sozialistischen Internationale abdecken. Daneben gibt es aber auch Verbindungen, die etwas exklusiver sein wollen. Oft sind es sogenannte Drinking oder Dining Societies, also Clubs, bei denen das gemeinschaftliche Trinken und Essen im Vordergrund steht. Und hier gehören Initiationsriten meist dazu.

Für Aufsehen und eine Flut von Witzeleien sorgte kürzlich ein Gerücht, dass der Premierminister David Cameron auch einmal ein solches Aufnahmeritual mitgemacht habe, als er in Oxford studierte. Um Mitglied im Piers-Gaveston-Club zu werden, soll er „einen Teil seiner privaten Anatomie in das Maul eines Schweinekopfes“ gesteckt haben.

Diese Behauptung in einer soeben erschienen Biografie wird von einem anonymen Gewährsmann gemacht, ist ansonsten völlig unbestätigt und wird von anderen Mitgliedern des besagten Clubs in Abrede gestellt.

Der Verband der britischen Schuldirektoren hatte im Juli ein Ende der „barbarischen“ Initiationsriten gefordert. Auch die National Union for Students (NUS) verlangte von den Universitäten, dagegen einzuschreiten. „Entwürdigende Zeremonien“, sagte NUS-Direktorin Susanna Amoha, „sollten nicht ein normaler Teil davon sein, bei studentischen Clubs und Verbindungen mitzumachen.“

Ob die Appelle helfen, sei dahingestellt. Denn ob die Rituale erniedrigend, einfach ekelhaft sind oder – im Fall exzessiven Alkoholkonsums – geradezu gefährlich, erreichen sie doch eines: Wer es geschafft hat, gehört dazu. Zu einem exklusiven Zirkel von Menschen, die genau das Gleiche hinter sich gebracht haben.

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