Braunschweig

Vermeintliches Mordopfer lebt

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31 Jahre lang war die Studentin Petra P. spurlos verschwunden

Braunschweig. Vermisst, nach Vermutung der Polizei ermordet und für tot erklärt. Die Akte einer 1984 in Braunschweig verschwundenen Studentin war lange geschlossen. 31 Jahre später taucht die Frau quicklebendig in Düsseldorf wieder auf. Was aber war der Grund für ihr Abtauchen?

Ihren Zahnarzttermin in Braunschweig nimmt die Informatikstudentin Petra P. (24) am 26. Juli 1984 noch wahr. Ob sie danach noch in den Bus nach Wolfsburg gestiegen ist, kann die Polizei später nicht mehr rekons­truieren. Bei ihren Eltern kommt sie auf jeden Fall nicht an, ihr Bruder meldet sie tags drauf als vermisst.

Die Ermittler gehen von einem Gewaltverbrechen aus, aber selbst eine Fahndung in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ bringt 1985 keine Spur, eine Leiche wird nie gefunden. Später sagt der Mörder einer Schülerin aus, auch die Studentin getötet zu haben, widerruft das Geständnis aber. 1989 dann wird die Studentin für tot erklärt.

Die Sensation jetzt 31 Jahre nach dem Verschwinden der Frau: Düsseldorf, 11. September 2015: Bei der Aufnahme eines Wohnungseinbruchs räumt eine 55 Jahre alte Mieterin den überraschten Beamten gegenüber ein, dass sie nicht die Person ist, deren Name auf dem Klingelschild steht. Sie ist die vermisste Studentin aus Braunschweig, kann sogar noch ihren seit Jahrzehnten abgelaufenen Personalausweis vorlegen.

Sie sei in all den Jahren nie aufgefordert worden, ihre Papiere vorzulegen, habe ihr Leben darauf ausgerichtet, erzählt sie den Beamten, so die Polizei. Zu ihrem Lebensunterhalt habe die allein lebende Frau nichts gesagt, sie habe gearbeitet. „Strafrechtlich ist ihr nichts vorzuwerfen“, so die Polizei. Falsche Papiere hatte sie nicht.

Was aber war damals der Grund für das Abtauchen der Studentin, die bei ihrem Verschwinden das 100-seitige Manuskript ihrer Diplomarbeit über „Eigenheiten der Computersprache“ in ihrer Tasche dabeihatte?

Zum Motiv habe sie keinerlei Angaben gemacht, lediglich erklärt, weiterhin keinen Kontakt zur Öffentlichkeit oder zu ihrer heute in der Nähe von Gifhorn lebenden Familie haben zu wollen. Dennoch wurde die Familie am Mittwoch von der Polizei über die vollkommen überraschende Wendung informiert. Die vergangenen elf Jahre lebte die Frau in Düsseldorf, davor in mehreren Städten Westdeutschlands. „Wo überall, weiß sie nicht mehr.“

Die Frau muss nun auf Antrag der Staatsanwaltschaft wieder für lebend erklärt werden.

( dpa )

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