Politik

Hunderte Wallfahrer sterben bei Massenpanik nahe Mekka

| Lesedauer: 3 Minuten

Massenpanik unter Wallfahrern nahe Mekka: Mehr als 700 Menschen sind gestorben. Mehr als zwei Millionen sind derzeit auf Pilgerfahrt.

Bei einer der schwersten Katastrophen während der islamischen Wallfahrt sind in einer Massenpanik nahe Mekka mehr als 700 Menschen ums Leben gekommen. Weitere 863 Gläubige seien verletzt worden, meldete die saudische Zivilverteidigung am Donnerstag. Bilder zeigten, wie die im weißen Pilgergewand gekleideten Opfer auf Liegen versorgt und weggetragen wurden. Zu dem Drama kam es an einer Straßenkreuzung in dem Ort Mina, wo die Pilger am dritten Tag der Hadsch symbolisch den Teufel steinigen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprach sein Beileid aus.

Dort hatte es nach einem schweren Unglück im Jahr 2006 eigentlich mehrere Baumaßnahmen gegeben, die für einen reibungslosen Strom der Pilger sorgen und einen Massenandrang verhindern sollten. Pilger werden eigentlich so geleitet, dass sich ihre Wege nicht kreuzen.

Wieso es trotzdem erneut eine Katastrophe gab, war zunächst unklar. An einer Kreuzung in Mina habe es am Donnerstagmorgen plötzlich einen Stau gegeben, erklärte die Zivilverteidigung. Dann sei eine Massenpanik ausgebrochen. Entlang dieser Route ziehen die Gläubigen am dritten Tag der Wallfahrt von ihren Schlafzelten in Richtung eines fünfstöckigen Gebäudes, wo sie Steine auf Säulen werfen, die den Teufel symbolisieren.

Die Opfer kommen aus unterschiedlichen Nationen. Nach Angaben saudischer Medien haben sich in diesem Jahr mehr als zwei Millionen Menschen auf die Pilgerfahrt nach Mekka gemacht, darunter fast 1,4 Millionen aus anderen Ländern. Ein Großaufgebot an Sicherheitskräften soll für Sicherheit sorgen.

Nicht der erste Unfall

Immer wieder kommt es in Mekka während der Pilgerfahrt zu Unglücken. Erst wenige Tage vor Beginn der diesjährigen Wallfahrt waren bei mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen, als ein Kran bei einem schweren Unwetter auf die Große Moschee stürzte. 2006 waren bei einem Massenandrang rund 350 Gläubige gestorben.

>> Tod auf der Wallfahrt - katastrophale Unglücke in Mekka <<

Am Donnerstag beginnt dann für mehr als 1,5 Milliarden Muslime weltweit das viertägige Opferfest, die wichtigste Feierlichkeit im Islam. Mit rituellen Tierschlachtungen erinnert es an die Bereitschaft Abrahams (arabisch: Ibrahim), seinen Sohn zu opfern, um Gott seinen Glauben zu beweisen.

200 Menschen brechen am Tag zuvor zusammen

Am Mittwoch hatte die islamischen Pilgerfahrt Hadsch ihren Höhepunkt erreicht, als Hunderttausende Gläubige zu Gebeten auf den Berg Arafat bei Mekka in Saudi-Arabien zogen. An einer Bahnstation in der Nähe von Mekka erlitten in starkem Gedränge mehr als 200 Menschen Schwäche- und Ohnmachtsanfälle.

Die Gläubigen befanden sich zusammen mit Hunderttausenden auf dem Weg zum Berg Arafat. Zu dem großen Gedränge in dem Ort Mina kam es nach Angaben der saudischen Zivilverteidigung, weil der Zugverkehr wegen eines technischen Defekts gestört war. Fünf Menschen seien in Krankenhäuser eingeliefert worden.

Drei Millionen Menschen auf Wallfahrt

Hunderttausende in Weiß gekleidete Pilger versammelten sich am zweiten Tag der Wallfahrt auf dem Berg Arafat. Der Ritus sieht vor, dass die Pilgerer im Andenken an den Propheten Mohammed bis zum Abend auf der rund 20 Kilometer von Mekka entfernen kargen Ebene bleiben und dort um Vergebung beten.

Mohammed soll vor seinem Tod 632 auf dem Arafat nach islamischer Überlieferung seine Abschiedspredigt gehalten haben. Der Hadsch gehört zu den fünf Säulen des Islam. Jeder gläubige Muslim, der gesund ist und es sich leisten kann, soll einmal in seinem Leben nach Mekka pilgern.

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