Buxtehude

Rettung in letzter Minute

Regionalzug kracht in Schulbus – 60 Kinder steigen gerade noch rechtzeitig aus

Buxtehude. André Zand-Vakili

Nur noch Schrott liegt auf den Gleisen, der Zug ist mit voller Wucht in den hinteren Teil des Gelenkbusses gerast. Hätten sich die 60 Schulkinder bei dem Zusammenstoß am Mittwochvormittag noch in dem Bus der Stader Kraftverkehr aufgehalten, als der Zug den Bus, der auf einem Bahnübergang liegen geblieben war, rammte – ohne Zweifel hätte es viele Verletzte, sogar Tote gegeben. Die Polizei geht bisher davon aus, dass die schnelle und umsichtige Reaktion der 23 Jahre alten Busfahrerin eine Katastrophe verhindert hat.

Am Mittwoch, gegen acht Uhr, ist der Bus auf dem Weg zum Buxtehuder Schulzentrum Süd. Weil die B73 gerade gesperrt ist, nutzt er eine Umleitungsstrecke und passiert in Buxtehude-Neukloster einen Bahnübergang. Dort will der Bus nach rechts auf eine schmale Straße einbiegen. In diesem Moment passiert es: Die Steuerung blockiert, der Motor säuft ab – während das Heck des Busses noch auf den Gleisen steht.

Weil es der Busfahrerin nicht gelingt, den Motor neu zu starten, ordnet sie eine Blitzevakuierung des Busses an. Eine Rettung in letzter Sekunde. Kaum sind die Schüler draußen, kracht der Metronom aus Hamburg in Richtung Cuxhaven in den Gelenkbus. Die Kinder kommen mit dem Schrecken davon, die 200 Fahrgäste im Metronom-Zug auch, nur ein Passagier wird leicht verletzt.

Weil Feuerwehr und Polizei zunächst vom Schlimmsten ausgehen, von vielen Verletzten und Toten, rücken mehr als 30 Rettungswagen und zahlreiche Notärzte zur Unfallstelle aus. Wenig später kommen auch die Eltern an die Unfallstelle, um ihre Kinder abzuholen. Für den Zugverkehr bleibt die Strecke über Stunden gesperrt, ein Schienenersatzverkehr wird eingerichtet. Gegen 16 Uhr hievt ein Bergungskran das Buswrack von den Gleisen. Der nicht allzu stark beschädigte Zug kann die Fahrt aus eigener Kraft fortsetzen.

Die Busfahrerin hat schnellreagiert, als nichts mehr ging

Ursache der Beinahekatastrophe ist ein technischer Defekt. „Nach bisherigen Ermittlungen knickte der Gelenkbus aufgrund der schmalen Straße derart ein, dass durch eine technische Vorrichtung das ganze Fahrzeug blockierte und der Motor sich abschaltete“, sagte der Sprecher der Polizeiinspektion Stade, Rainer Bohmbach. Gemeint ist offenbar der Knickschutz, eine Vorrichtung, die verhindert, dass der Bus so übersteuert wird, dass sich die Gelenke verkanten. Allerdings werde diese Funktion nur beim Rückwärtsfahren aktiviert, sagte eine Sprecherin der Omnibussparte von Daimler-Benz dieser Zeitung. „Bei einem Winkel von 52 Grad gibt es eine optische Warnung, bei 54 Grad ist Schluss, dann geht nichts mehr“, so die Sprecherin.

Ob ein Fahrfehler der jungen Frau den technischen Defekt ausgelöst hat, ist unklar. „Wenn nun nach der Ursache gesucht wird, wird sicherlich auch das Verhalten der Busfahrerin eine Rolle in den Ermittlungen spielen“, sagte Polizeisprecher Rainer Bohmbach.

Die junge Frau habe aber vorbildlich reagiert, indem sie sofort die Türen öffnete, als sich der Bus nicht mehr von den Gleisen bewegen ließ. Sie habe sogar noch versucht, den Bahnbetreiber via Handy zu informieren, es aber nicht mehr rechtzeitig geschafft, so Bohmbach.

Ein Handy-Video zeigt die Wucht des Zusammenpralls

Wie knapp es gewesen ist, dokumentiert das im Internet kursierende Handy-Video eines Schülers. Noch während die Kinder vom Unfallort flüchten, schießt der Zug mit einem ohrenbetäubenden Warnsignal an ihnen vorbei. Er wird zwar durch die Zwangsbremsung langsamer, doch das reicht nicht. Als der Metronom den Bus mit voller Wucht rammt, ist ein dumpfer Knall zu hören. Eine Sekunde später kommt auch der Zug zum Stehen. „Sie hat einen großen Anteil daran, dass hier nichts Schlimmeres passiert ist“, sagte Bohmbach über die Busfahrerin, die einen Schock erlitten hatte und nicht vernehmungsfähig gewesen sei.

Der Schaden wird auf „mindestens 500.000 Euro“ geschätzt. „Wir danken dem lieben Gott, dass keines der Kinder verletzt worden ist“, sagte der Sprecher der Verkehrsgesellschaft. Jetzt wird die Staatsanwaltschaft Stade das Wrack untersuchen lassen. „Wir wollen natürlich ganz genau wissen, wodurch der Defekt ausgelöst wurde.“