Mekka

Mehr als 90 Tote bei Unglück in Mekka

Kurz vor der großen islamischen Pilgerfahrt stürzt ein Kran auf die Große Moschee. 180 Verletzte

Mekka.  Sie ist die wichtigste Moschee des Islam, die größte der Welt. Am Freitagabend wurde die Große Moschee im saudi-arabischen Mekka zum Schauplatz einer Katastrophe: Während des Gebets zum Sonnenuntergang stürzte ein Baukran auf das islamische Heiligtum. Mindestens 90 Menschen kamen ums Leben, mehr als 180 wurden verletzt, wie der saudische Zivilschutz berichtete.

Auf ersten Bildern von der Unglücksstelle waren blutüberströmte Pilger in Panik zu sehen – zwischen Trümmerteilen und Leichen. Teile des Krans hatten sich durch die Decke des Gebäudes gebohrt und verheerende Zerstörungen angerichtet. Augenzeugen berichteten, die Moschee sei wegen des Abendgebets gut besucht gewesen. Offenbar hatte ein Umwetter mit plötzlich aufkommenden Sturmböen am Abend zu dem Unglück geführt. In den vergangenen Tagen gab es im Nahen Osten immer wieder schwere Stürme.

Das Unglück in Saudi-Arabien kommt zu einer Zeit, in der die Vorbereitungen für die große islamische Pilgerfahrt auf Hochtouren laufen. Denn in etwa zehn Tagen – genau weiß man es erst, wenn die Mondsichel gesichtet wird – werden in Mekka wieder Millionen Gläubige zum „Hadsch“ erwartet.

Dort versammeln sie sich im Hof der Großen Moschee, wo sich die würfelförmige Kaaba befindet, das Zentralheiligtum des Islam. Die Gläubigen pilgern zum etwa 25 Kilometer entfernten Berg Arafat, wo der Prophet Mohammed seine letzte Predigt gehalten haben soll, und begehen auf dem Rückweg nach Mekka die symbolische Steinigung des Teufels, indem sie Kieselsteine auf Wände werfen.

Der Hadsch ist eine der fünf Säulen des Islams. Jeder fromme Muslim, der gesund ist und es sich leisten kann, sollte einmal im Leben nach Mekka pilgern. Immer wieder kommt es dabei aber auch zu Unglücken, die zum Teil Hunderte Opfer fordern: Bei der schwersten Katastrophe 1990 starben bei einer Massenpanik mehr als 1400 Menschen. 2006 kamen bei einer weiteren Massenpanik mehr als 350 Menschen ums Leben. 1979 griffen während des Hadsch bewaffnete Attentäter die Große Moschee an und nahmen die versammelten Gläubigen als Geiseln. Hunderte Menschen starben damals.

Die Stadt Mekka trägt den Ehrentitel „al-Mukarrama“ („die Ehrwürdige“). Die günstige Lage am Schnittpunkt mehrerer Karawanenstraßen auf der Arabischen Halbinsel machte sie schon früh zu einem bedeutenden Handelsplatz. Traditionell sind die Pilgerströme für die Metropole heute eine sehr bedeutende und geschätzte Einnahmequelle: Jährlich kommen bis zu drei Millionen Pilger in die Umgebung der Stadt. Nicht-Muslime dürfen Mekka nicht betreten.

Die Sicherheitsmaßnahmen sind in vergangenen Jahren stark ausgeweitet worden, 2014 waren 70.000 Einsatzkräfte zum Schutz der Gläubigen unterwegs. Zugleich wird in Mekka auch seit Jahren umfassend gebaut: Die Wallfahrtsstrecke wurde bereits erweitert und das einstige Nadelöhr, die Brücke bei Mina, auf mehrere Ebenen ausgebaut.

Aktuell wird daran gearbeitet, den Bereich der Großen Moschee um 400.000 Quadratmeter zu vergrößern, damit auf dem Gelände bis zu zwei Millionen Menschen Platz finden. Rund um die Moschee sind deshalb auch in diesen Tagen zahlreiche sehr große Baukräne zu sehen. Eine neue Metro transportiert seit vier Jahren Hunderttausende Wallfahrer, die nicht laufen wollen, zwischen den heiligen Stätten.

Die Pilgerstadt ist zu einer modernen Metropole geworden. Vor der Naturgewalt bot all dies am Freitagabend keinen Schutz.