Prozess

Arzt filmte mit Kugelschreiber-Kamera heimlich Patientinnen

| Lesedauer: 3 Minuten
Weil ein Arzt heimlich Patientinnen gefilmt und kinderpornografische Bilder verbreitet haben soll, muss er sich seit 8. September vor dem Landgericht Osnabrück verantworten

Weil ein Arzt heimlich Patientinnen gefilmt und kinderpornografische Bilder verbreitet haben soll, muss er sich seit 8. September vor dem Landgericht Osnabrück verantworten

Foto: Friso Gentsch / dpa

Heimlich soll ein Arzt Patientinnen halbnackt gefilmt und kinderpornografische Bilder verbreitet haben. Jetzt steht er vor Gericht.

Osnabrück. Die Spannung ist im Gerichtssaal fast mit Händen zu greifen. Auf den Zuschauerplätzen des kleinen Raumes im Osnabrücker Landgericht haben sich zwischen 30 bis 40 Besucher versammelt, die meisten sind Frauen. Sie schauen auf den Angeklagten, der in gebückter Haltung in den Saal kommt, sich auf seinen Stuhl setzt und den Blick ins Publikum vermeidet. Er trägt eine Brille, helle Jeans, ein dunkles Jackett.

Vorwurf: Sexueller Missbrauch

Bis vor zwei Jahren hat er als Hausarzt in Osnabrück gearbeitet. Der Vorwurf: 72 Frauen soll er heimlich gefilmt haben, als sie halbnackt im Behandlungszimmer standen. 13 Frauen, die psychisch krank, geistig oder körperlich behindert waren, soll er zudem noch an der Brust berührt haben, ohne dass das medizinisch notwendig gewesen wäre. Der Vorwurf hier: sexueller Missbrauch. Die Aufnahmen machte er mit einer Kugelschreiberkamera.

Der Gerichtssaal ist so voll, dass nicht alle Platz finden. Richter Dieter Temming schickt aber niemanden raus. Nur als nach der Anklageverlesung Unmutsäußerungen aus dem Publikum gemurmelt werden, ermahnt er zur Ruhe. „Sie werden das hier nur zur Kenntnis nehmen können“, stellt er klar. Der 62 Jahre alte Angeklagte wirkt müde. Mal schaut er auf den Tisch vor sich, dann zu seinem Anwalt, dann wieder blickt er auf die Schöffen und die Richter vor sich.

Völlige Isolation

Der 62-Jährige steht vor den Scherben seines Lebens. „In Osnabrück ist er isoliert“, sagt sein Anwalt Thomas Klein in einer Verhandlungspause den Journalisten. Freundschaften seien zerbrochen. „Die Kollegen sind sehr sauer darauf, was er dem Berufsstand angetan hat“, sagt der Anwalt. Das Verfahren sei ein großes Drama, für die Patientinnen, aber auch für seinen Mandanten. „Er hat seinen Beruf, für den er sehr viel aufgewandt hat, niedergelegt.“ Die Ehe ist zerbrochen. Den Patientinnen habe er mehr als 162.000 Euro Schmerzensgeld bezahlt.

Aufgeflogen ist der Arzt mit einem anderen Delikt: Ermittlern der Polizei war der Arzt aufgefallen, weil er kinder- und jugendpornografische Dateien auf einer Online-Tauschbörse angeboten hatte. Daraufhin wurden seine Rechner untersucht. Die Ermittler fanden dabei 79.500 kinderpornografische Bilder, 6200 jugendpornografische Bilder und 3300 kinderpornografische Videos - und die heimlich gefilmten Aufnahmen seiner Patientinnen.

Hoffnung, davonzukommen

Für die Verfolgung der kinder- und jugendpornografischen Delikte ist die Staatsanwaltschaft Hannover zuständig ist, für die anderen Tatvorwürfe die Staatsanwaltschaft in Osnabrück. So wurden zum Prozessauftakt gleich zwei Anklageschriften verlesen.

Sein Mandant werde die Taten gestehen und sich zu den einzelnen Vorwürfen äußern, sagte Anwalt Klein. Die Öffentlichkeit wurde dazu ausgeschlossen, auch, um das Privatleben der Opfer zu schützen. „Er hofft, dass er mit einer Strafe davonkommt, die ihm eine Perspektive für seine Zukunft bietet“, sagt Klein.

( dpa/lni/joe )

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