Berlin

Wird man im Schatten wirklich braun?

Die acht größten Sommermythen – welche wahr und welche falsch sind

Berlin.  Mutti hat immer gesagt: Nach Kirschen oder Eis besser kein Wasser trinken, sonst drohen fürchterliche Bauchschmerzen. Und am Baggersee heißt es oft: Im Schatten wird man auch braun. Sommermythen gibt es viele. Doch welche stimmen? Zeit für einen Faktencheck.

Im Schatten wird man auch braun.

„Das ist richtig“, sagt Dermatologe Reinhard Mrotzek, der im Bundesverband der Deutschen Dermatologen organisiert ist. „Im Schatten bekommt man noch 50 Prozent der UV-Dosis ab.“ Man kriege also auch hier Farbe – allerdings langsamer und schonender. „Ob Sie dabei unter einem Zeltdach oder einem Baum sitzen, ist egal“, sagt der Experte. Gute Nachricht für sonnenhungrige Büroangestellte: Auch Fensterglas lässt ihm zufolge einen Teil des Sonnenlichts durch.

Nach einem Sonnenbrand wird man viel brauner.

„Das ist natürlich Quatsch“, sagt der Hautarzt. Vielmehr würden dadurch wichtige Hautzellen zerstört – und Pigmente, die für Bräune sorgten, gar nicht erst gebildet.

In der Sonne sollte man schwarze Kleidung meiden.

Zumindest mit Blick auf den UV-Schutz gibt es dem Fachmann zufolge keinen Unterschied zwischen Schwarz und Weiß. „Es kommt nicht auf die Farbe der Kleidung an, sondern darauf, wie dicht sie gewebt ist.“ In einem schwarzen T-Shirt komme man aber möglicherweise schneller ins Schwitzen: „Ich glaube, dunkle Kleidung wärmt eher auf.“

Mücken lieben süßes Blut.

„Das ist wirklich ein Mythos“, sagt Biologe Julian Heiermann vom Naturschutzbund Nabu in Berlin. „Manche Menschen werden aber öfter gestochen als andere.“ Dem Experten zufolge hat das vor allem mit dem Duft zutun: „Im Schweiß ist ein bestimmter Stoff enthalten, der Mücken lockt. Manche produzieren davon mehr.“ Wer draußen Sport treibe, erhöhe zumindest das Risiko, von den Plagegeistern gewittert zu werden. Auch Ernährung hilft dem Fachmann zufolge wenig: Knoblauch und Zwiebeln halten möglicherweise die Mitmenschen auf Distanz – nicht aber die Stechtiere.

Warme Getränke helfen besser gegen die Hitze als kalte.

„Kaltes führt dazu, dass der Körper Wärme produziert“, erklärt Bernhard Watzl, Ernährungswissenschaftler vom Max-Rubner-Institut in Karlsruhe. „Ich glaube, es wäre daher günstiger, eher die warmen Getränke zu konsumieren.“ Ob sie wirklich besser sind als eine eiskalte Schorle, sei aber nicht hinreichend erforscht. „Wichtig ist, an heißen Tagen überhaupt genug zu trinken.“

Nach Kirschen oder Eiscreme sollte man kein Wasser trinken.

„Das hängt möglicherweise mit der Hygiene in früheren Zeiten zusammen, lässt sich heute aber nicht wirklich begründen“, sagt Watzl. „Es spricht nichts dagegen, danach etwas zu trinken.“

Bei besonders hohen Temperaturen gibt es Hitzefrei.

Für Schüler stehen die Chancen besser als für die arbeitende Bevölkerung: In der Regel ist es den Rektoren überlassen, über Hitzefrei zu entscheiden. In Baden-Württemberg forderte der Landesschülerbeirat jüngst eine einheitliche Regelung. Bisher werde das an Schulen unterschiedlich gehandhabt, kritisiert das Gremium. Arbeitnehmer sollten besser kalte Getränke einpacken: „Es gibt kein Recht auf Hitzefrei“, sagt ein Sprecher der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Chefs müssten Mitarbeiter aber schützen – etwa durch Klimaanlage oder Gleitzeitarbeit.

Trocknen in nassen Badesachen führt zu Blasenentzündung.

So verlockend und erfrischend es ist, einfach in der Sonne zu trocknen: Nach dem Schwimmen sollte man Bikini und Badehose ausziehen. Dadurch wird das Risiko einer Blasenentzündung eingedämmt, wie ein Sprecher der Landesapothekenkammer in Hessen erklärt. Kälte und Nässe verringern demnach die Durchblutung – und begünstigen so die Ausbreitung von Bakterien, die in die Blase gelangen können.