Thailand

Weitere Explosion erschüttert Bangkok

Einen Tag nach dem schweren Bombenattentat ist Bangkok von einer weiteren Explosion erschüttert worden.

Ein Polizist patrouilliert nahe dem abgesperrten Ort, an dem am Montag die erste Bombe detonierte

Ein Polizist patrouilliert nahe dem abgesperrten Ort, an dem am Montag die erste Bombe detonierte

Foto: CHRISTOPHE ARCHAMBAULT / AFP

Einen Tag nach dem Anschlag mit 20 Toten hat eine weitere Explosion die thailändische Hauptstadt Bangkok erschüttert. Ein Unbekannter habe an einem Hafenanleger versucht, eine Rohrbombe auf Wartende zu schleudern, sagte Polizeisprecher Prawut Thavornsiri am Dienstag. Er habe das Ziel aber verfehlt und der Sprengsatz sei im Wasser explodiert. Verletzt wurde niemand. Ob es einen Zusammenhang zu dem Attentat am Vorabend gab, war zunächst unklar.

Einen Tag zuvor waren 20 Menschen bei dem Anschlag im Stadtzentrum ums Leben gekommen. Die Polizei fahndet nach einem Verdächtigen und veröffentlichte Fotos von einer Überwachungskamera.

Sie zeigen einen jungen Mann in der Nähe des Tatorts, zuerst mit, dann ohne Rucksack. Er trug ein auffälliges gelbes T-Shirt und war unter den Einheimischen und Touristen am Erawa-Schrein - direkt an der wichtigsten Einkaufsmeile der thailändischen Hauptstadt - wo am Montag ein Sprengsatz detoniert war. Ministerpräsident Prayuth Chan-ocha behauptete am Dienstagmorgen, dass der Verdächtige identifiziert ist: "Er gehört zu einer kleinen Gruppe von Leuten im Nordosten Thailands, die immer noch der Nation schaden wollen". Die Suche nach dem Mann verlief zunächst erfolglos. Bis Dienstag hatte sich niemand zu der Tat bekannt.

Eine zweite Vermutung äußerte der scheidende Armeechef General Udomdej Sitabut: "Wir glauben, dass es sich bei den Tätern um türkische Jihadisten (Heilige Krieger) handeln könnte, die Vergeltung für die Abschiebung von 109 Uighuren nach China durch Thailand üben wollen. Die Auswahl des Erawan-Schreins mit seinen vielen Touristen gerade aus China deutet ebenfalls darauf hin."

Thailänder sind skeptisch

Thailands Militär hatte vor einigen Monaten in einer Nacht- und Nebelaktion 109 Uighuren an China übergeben, die gemeinsam mit Frauen und Kindern über Thailand illegal nach Malaysia unterwegs waren. Die Köpfe der Männer wurden auf dem Flug nach China in Tüten ohne Sehschlitze gesteckt. Die Frauen und Kinder schickte Bangkok in die Türkei.

Viele Thailänder reagierten skeptisch auf die schnelle und vor allem politisch opportune Darstellung. "Thailands Angaben kann man nicht trauen", sagte ein Diplomat, "sie werden die Angelegenheit so drehen, wie es ihnen passt."

Die Behörden aktualisierten inzwischen ihre Angaben zu den Opfern: Danach starben 20 Menschen, 125 wurden verletzt.

>> Auswärtiges Amt verschärft Hinweise für Thailand >>

Mehrere Dutzend Verletzte waren am Dienstag noch im Krankenhaus, teils mit schweren Verbrennungen. Bei den ersten identifizierten Toten handelt es sich nach Angaben des Regierungssprechers um fünf Thailänder, vier Chinesen, zwei Malaysier und eine Frau aus Singapur.

Viele der Verletzten waren am Dienstag noch nicht in der Lage, sich zu äußern. "Bei vielen Verletzten konnten wir die Nationalität noch nicht feststellen", sagte der Arzt Phetphong Kamjornjitjakarn. "Sie hatten keine Identifikationspapiere bei sich." Der jüngste Patient sei ein fünfjähriger Junge aus China, sagte der Staatssekretär des Ministeriums für öffentliche Gesundheit, Narong Sahametapat.

Nach vorläufigen Angaben der Bundesregierung sind keine Deutsche unter den Opfern. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es am Dienstag: "Uns liegen bislang keine Erkenntnisse vor, dass unter den Opfern auch deutsche Staatsangehörige sind.

Einige Gewaltattacken in Thailand

Der Anschlag sei die schwerste Attacke dieser Art gewesen, die Thailand je erlebte hat, sagte Regierungschef Prayuth Chan-ocha. Die Behörden täten alles, um die Täter schnell zur Rechenschaft zu ziehen. "Sie wollen unsere Wirtschaft und den Tourismus zerstören", sagte Prayuth vor einer Dringlichkeitssitzung seines Kabinetts. Prayuth hatte im Mai 2014 die gewählte Regierung gestürzt und regiert seitdem.

In Thailand gab es in den vergangenen Jahren eine Reihe von Gewaltattacken, besonders im tiefen Süden des Landes, wo ein mehr als zehnjähriger Aufstand muslimischer Separatisten mehr als 5000 Opfer gefordert hat. Angriffe in der Hauptstadt gab es aber bislang nicht. In Bangkok kam es vor allem zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den politischen Lagern des Landes. 2010 kamen bei zweimonatigen Unruhen mehr als 90 Menschen ums Leben. Die Proteste damals konzentrierten sich auf die zentrale Kreuzung, an der auch die Bombe am Montag explodierte. Doch in den Auseinandersetzungen zwischen den politischen Fraktionen gab es nie Anschläge, die auf eine große Opferzahl unter Unbeteiligten abzielten.

Die Kreuzung an dem Schrein wurde am Dienstag wieder für den Verkehr geöffnet. Der Schrein selbst blieb geschlossen. Auf dem Gelände war der Sprengsatz explodiert, nach Schätzung von Bombenexperten mit drei bis fünf Kilogramm Sprengstoff. Er riss ein Loch in den Boden. Rundum gingen durch die gewaltige Explosion Glasscheiben zu Bruch. Am Dienstag herrschte in den umliegenden Einkaufszentren wieder Hochbetrieb. Touristen schossen Sefies mit dem Schrein im Hintergrund.