London –

Streik legt Londoner U-Bahn lahm

| Lesedauer: 2 Minuten

Angestellte wehren sich dagegen, auch nachts zu arbeiten. Pendler kommen zu spät zur Arbeit

London. Ein Streik bei der U-Bahn in London hat viele Berufspendler und Touristen Zeit und Nerven gekostet. Vom frühen Donnerstagmorgen an waren Busse, Vorortzüge und Stadtbahnen überfüllt, an Stationen bildeten sich teils lange Warteschlangen. Weil viele aufs Auto auswichen, meldete der Geodaten-Anbieter TomTom in der Hauptverkehrszeit rund 428 Staus von insgesamt 317 Kilometern Länge – doppelt so viel wie am Donnerstag zuvor.

Um Pendler und Besucher in der Urlaubszeit halbwegs zügig ans Ziel zu bringen, setzte die Verkehrsgesellschaft Transport for London (TfL) 250 Busse zusätzlich ein, an Leihfahrrad-Stationen standen außerdem mehr Räder als sonst bereit. Auch die Wasserbusse auf der Themse fuhren häufiger. TfL schickte außerdem 600 „Reise-Botschafter“ los, die vor allem Touristen erklären sollten, wie sie zu Fuß oder mit dem Bus von A nach B kommen. Ein Unternehmen verteilte an der Victoria Station sogar kostenlose Skateboards.

Schon im Laufe des Mittwochs bildeten sich auf den Bahnsteigen der mit über 150 Jahren ältesten Untergrundbahn der Welt riesige Menschentrauben. Viele Berufspendler versuchten, ihre Büros früher als sonst zu verlassen, um noch rechtzeitig vor Beginn des Streiks nach Hause zu kommen.

Weniger Gedränge wegen Ferien

Am Mittwochabend schlossen dann die 270 Stationen der Tube genannten U-Bahn, erst am Freitagmorgen sollen die Bahnen wieder fahren. Viele Berufstätige äußerten ihren Ärger in Sozialen Netzwerken: „Drei Stunden später hab ich es endlich zur Arbeit geschafft“, twitterte eine Nutzerin, „Ich bin so froh, dass ich heute von zu Hause aus arbeiten darf“ eine andere. Die Londoner U-Bahnen befördern täglich bis zu vier Millionen Menschen. Da auch in Großbritannien Schulferien sind und viele Londoner im Urlaub, war das Gedränge im Berufsverkehr aber nicht ganz so heftig wie beim vorigen Streik vor vier Wochen.

Grund für den Streik ist ein Tarifkonflikt, der sich um die Einführung des Nachtverkehrs am Wochenende dreht. Auf fünf von elf U-Bahnlinien will die TfL ab 12. September Nachtzüge einsetzen. Bislang fahren in Großbritanniens Hauptstadt nachts nur Busse. Die vier großen Tube-Gewerkschaften sind zwar nicht grundsätzlich gegen den Nachtverkehr, jedoch wollen sie die Einführung verschieben, um mehr Zeit für ­Tarif­verhandlungen zu haben. Neben der Bezahlung geht es ihnen unter anderem darum, die Anzahl der Nachtschichten pro Mitarbeiter festzulegen. Londons Bürgermeister Boris Johnson reagierte mit Unverständnis auf den Streik. Das aktuelle Angebot der TfL sei „unglaublich großzügig“, sagte er der BBC am Mittwoch. „Ich werde kein weiteres Geld für die Mitarbeiter bereitstellen.“

( dpa/AFP )

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos