Wrackteil gibt kaum Hinweise auf Absturzort von MH370

Nach dem spektakulären Fund auf La Réunion dämpfen Wissenschaftler die Erwartungen

War es technisches Versagen? Ein Pilot in Todesabsicht? Ein Entführer oder ein Geheimdienst? Seit 16 Monaten spekuliert die Welt über das mysteriöse Verschwinden von Flug MH370. Wie „bild.de“ am Freitag berichtet, sei sich etwa der US-Geheimdienst sicher, dass das Flugzeug der Malaysia Airlines absichtlich auf Todeskurs gebracht wurde.

Das auf der Insel La Réunion angeschwemmte Flugzeugwrackteil macht nun Hoffnungen bei der Suche nach MH370. Aber selbst, wenn das Teil tatsächlich zu der verschwundenen Boeing gehört, ist weiter unklar, ob das Wrack je gefunden wird. Und selbst, wenn es entdeckt wird, ist unklar, ob die Blackboxen etwas aufgezeichnet haben. Die Unglücksursache bleibt womöglich für immer offen. Ein Wrackteil würde den Angehörigen aber zumindest die Gewissheit geben, dass die Maschine nicht intakt irgendwo gelandet ist, und Verschwörungstheoretikern den Wind aus den Segeln nehmen. Die auf dem Wrackteil entdeckte Nummer gehöre zu einer Boeing 777, sagte der stellvertretende malaysische Transportminister Abdul Aziz Kaprawi am Freitag der Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Malaysia Airlines. Allerdings müsse die endgültige Bestätigung, dass es sich um ein Teil der vermissten Boeing 777 handelt, vom Hersteller im französischen Toulouse selbst kommen.

Neue Erkenntnisse sind zu erwarten, nur eines ist nahezu unmöglich: Dass das Teil zum genauen Absturzort führt. Ozeanografen sehen in solchen Berechnungen nicht viel mehr als eine akademische Übung. Genauso gut könne man aus den Strömen von Menschenmassen in Großstädten den Weg einer einzelnen Person vorhersagen wollen, sagte der australische Ozeanograf David Griffin. Ihn überrascht es nicht, wenn ein Wrackteil nach so langer Zeit 4200 Kilometer entfernt vom mutmaßlichen Absturzgebiet vor Aus­tralien aufgetaucht sein sollte. Das hätten die Strömungsmodelle schon erwarten lassen.

Möglicherweise aber lässt sich die Absturzstelle mithilfe der Muscheln identifizieren, die an der Klappe klebten, erklärten der Geologe Hans-Georg Herbig und der Biologe Philipp Schiffer von der Universität Köln am Freitag. Sollte eine kälteliebende Art der Entenmuscheln an dem Wrackteil kleben, wäre dies ein eindeutiger Hinweis auf die Absturzregion. Anhand des Kontaktes zwischen der Boeing und einem Satelliten haben Ermittler eine entlegene Region vor Australien als mutmaßliches Absturzgebiet errechnet. Es wurde monatelang abgesucht. Gefunden wurde nichts.