Harare –

Der Jäger wird zum Gejagten

| Lesedauer: 4 Minuten
Katja Mitic

Weil er den Löwen Cecil in Simbabwe erlegte, schlägt einem US-Zahnarzt Hass entgegen

Harare.  Als Brent Stapelkamp vom Hwange National Park in Simbabwe vor einigen Wochen seine Daten durchging, bemerkte er, dass etwas fehlte. Der Mitarbeiter der britischen Universität Oxford kontrolliert täglich das Bewegungsmuster von rund 500 Löwen, die mit einem GPS-Sender ausgestattet sind. Ausgerechnet Cecil, das prächtige Maskottchen des Parks, lieferte seit dem 4. Juli keine Daten mehr. Ranger entdeckten seinen geköpften und gehäuteten Kadaver wenig später – der Löwe war illegal erlegt worden.

Tier wurde aus dem Park gelockt

Seitdem werden die Menschen verfolgt, die für Cecils Tod verantwortlich sind. Anhand der Spuren konnten die Ranger rekonstruieren, dass drei Männer das Tier aus dem Park lockten, in dem sie einen Köder an ein Auto banden. Sie wussten, was sie taten: Innerhalb des Parks war Cecil geschützt, außerhalb nicht. Kaum hatte Cecil die Parkgrenze überquert, schoss einer der Männer mit Pfeil und Bogen auf Cecil, tötete ihn aber nicht. Dann hetzten die drei das schwer verletzte Tier 40 Stunden lang durch den Busch. Erst dann erlösten sie den 13 Jahre alten Löwen mit einer Kugel aus einer Pistole.

Die Behörden identifizierten die Jäger schnell. Zwei der Männer, ein lokaler Jäger und ein Farmbesitzer, stehen in Simbabwe bereits vor Gericht. Ihnen wird Löwenjagd ohne Genehmigung vorgeworfen. Die Trophäen – Kopf und Fell – sind sichergestellt. Bei einer Verurteilung drohen den Simbabwern bis zu 15 Jahre Haft. Ein Mann aber fehlt: der Zahnarzt Walter James Palmer aus Bloomington (US-Bundesstaat Minnesota). Er soll für die Jagd 45.000 Euro gezahlt haben. Palmer befindet sich wieder in seiner Heimat.

Zurzeit ergießt sich Hass und Spott über den 55-Jährigen – ein globaler Shitstorm. Die Webseite seiner Praxis wurde offline gestellt, auf Twitter und im Bewertungsportal Yelp wird er als Mörder beschimpft. Eine eigens eingerichtete Facebook-Seite ruft zum Boykott der Praxis auf. Palmer selbst ist untergetaucht, berichtet die Zeitung „Star Tribune“. Die Praxis ist geschlossen, vor der Tür hatten Unbekannte Dutzende Kuscheltiere in Gedenken an Cecil aufgestellt, dazu ein Schild aufgestellt mit der Aufschrift: „Sie sind ein Feigling und ein Killer.“

Der Arzt ist sich keiner Schuld bewusst: „Ich hatte keine Ahnung, dass der Löwe ein bekannter, lokaler Liebling war, ein Halsband trug und bis zum Ende der Jagd Teil einer Studie war“, schrieb er laut „Star Tribune“ in einem Statement. „Meiner Kenntnis nach war alles an dieser Reise legal.“ Palmer gilt als erfahrener Großwildjäger. Laut dem Safari Club International brüstet er sich damit, bereits 43 Tiere mit dem Bogen erlegt zu haben, darunter Eisbären, Büffel, Pumas. Ärger mit den Behörden hatte er allerdings schon häufiger: wegen Fischens ohne Genehmigung, illegalen Erlegens eines Elchs und eines Schwarzbärs sowie sexueller Belästigung einer Mitarbeiterin. Für das Töten des Bärs erhielt er eine einjährige Bewährungsstrafe und er musste 3000 Dollar zahlen.

Besonders verärgert sind Palmers Kritiker darüber, dass der Zahnmediziner wahrscheinlich keine Strafverfolgung fürchten muss. Er wird argumentieren, nicht gewusst zu haben, dass der lokale Jäger keine Genehmigung besaß. Ihm das Gegenteil nachzuweisen, dürfte schwer sein.

Einnahmen mit Jagd-Tourismus

Der Großwildjagd in Simbabwe generell wird der Fall Palmer keinen Abbruch tun. Denn der Jagd-Tourismus gilt als wichtiger Wirtschaftsfaktor. Jedes Jahr legt die Regierung Abschussquoten fest. So kostet der Abschuss eines Löwen 30.000 bis 40.000 Euro. Büffel sind schon für knapp 5000 Euro zu haben. Ein lukratives Geschäft für ein Land, in dem 68 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze leben. Dennoch: Emmanuel Fundira vom Verband der Safari-Anbieter spricht von einem schweren Schlag für die Tourismusbranche, weil viele Besucher Cecil sehen wollten, und rechnet mit schweren Einbußen.

Fehlen wird der Löwe vielleicht auch seinem Nachwuchs. Sein Nachfolger im Rudel, der Löwe Jericho, könnte die sieben Halbwaisen töten oder verstoßen. Aber noch sieht es gut aus, sagte Wissenschaftler Brent Stapelkamp der Morgenpost. Die Jungen wurden erst vor wenigen Tagen mit der Mutter gesehen: gesund und munter.

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