Berlin –

Betrunken an Bord – da ist der Urlaub im Nu vorbei

| Lesedauer: 2 Minuten
Julia Ostendorf

Pöbelnde Fluggäste sind eine Qual für Mitreisende. Doch die Besatzung schreitet im Notfall ein

Berlin –. Ein Martini gegen die aufsteigende Flugangst, Sekt auf den prickelnden Ibiza-Urlaub oder ein kaltes Bier auf dem Weg nach Sylt – Alkohol ist auf Flügen längst nichts Besonderes mehr. Aber wann ist genug? Und was passiert, wenn ein Fluggast es mit dem Trinken übertreibt?

„Jeder reagiert anders auf Alkohol“, sagt Carola Scheffler vom Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). „Manche Gäste werden schon nach einem Bier auffällig“, bestätigt Ali Genc von Turkish Airlines. Deshalb gibt es bei den meisten Airlines keine festgelegte Promillegrenze für die Passagiere. Allerdings beobachtet das Flugpersonal seine Gäste schon vor Abflug besonders aufmerksam. Offensichtlich betrunkene Gäste können bereits in der Warteschlange abgewiesen werden, sagt Robin Kiely von Ryanair.

Wird ein angetrunkener Passagier an Bord zur Gefahr für sich selbst oder andere, greift das Kabinenpersonal ein. „Erstmal bemüht sich die Crew, den Passagier zu beruhigen“, sagt Scheffler. Das Flugpersonal hat Taktiken, mit betrunkenen Passagieren umzugehen. Das kann schon eine einfache Maßnahme sein: Bei Turkish Airlines wird dem Fluggast zum Beispiel Kaffee angeboten, sagt Genc.

Kosten von 100.000 Euro

Schlagen diese Methoden fehl, muss der Kapitän einschreiten. Er hat die oberste Entscheidungsgewalt und kann bestimmen, ob die Maschine einen Zwischenstopp einlegt, um den randalierenden Passagier abzusetzen. „Das kann teuer werden“, warnt der Reiserechtler Paul Degott. Ein Zwischenstopp kostet den betrunkenen Fluggast leicht 100.000 Euro. Weil der Fluggast gegen die Luftsicherheitsvorschriften verstößt, erwartet ihn beim Zwischenstopp die Polizei. Im Ausland gelten fremde Gesetze und Strafen – „es kommt schon vor, dass randalierende Passagiere ins Gefängnis müssen“, erklärt Degott.

Das ist bei den meisten Airlines allerdings eine Ausnahmesituation. Lufthansa zum Beispiel legt wegen betrunkenen Passagieren so gut wie nie Zwischenstopps ein, bestätigt Sprecherin Anja Lindenstein. Auch Air Berlin tut dies nach eigenen Angaben nur äußerst selten.

Flugverbote auf Lebenszeit gibt es meist nicht. Turkish Airlines hat keine „schwarze Liste“, also eine permanente Sperrung für betrunkene Gäste. Und Anja Lindenstein von der Lufthansa sagt zumindest: „Eine schwarze Liste ist mir nicht bekannt“. Bei Air Berlin sieht es anders aus: „Air Berlin kann Fluggästen auch für weitere Flüge die Beförderung verweigern“, sagt Janina Mollenhauer. Sie ergänzt: „Dabei handelt es sich jedoch um Einzelfälle“.

( dpa )

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