Unfälle

Raser im Leihwagen werden zum gefährlichen Problem

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Anette Dowideit

Foto: Rainer Jensen / dpa

Die Zahl illegaler Autorennen in Städten steigt. Viele der Fahrer nutzen dafür Carsharing-Autos - und nehmen tödliche Risiken in Kauf.

Am Donnerstag um kurz nach acht am Abend standen ein paar Hundert Menschen an einer Kreuzung in der Innenstadt von Köln und schwiegen gemeinsam, drei Minuten lang. Einige schüttelten den Kopf, andere weinten, sie alle blickten auf die Fotos, auf denen ein junger Mann mit Baseballkappe in die Kamera grinste. Gianluca wurde 26 Jahre alt. Er starb, weil sich zwei Männer, 31 und 26, ein Autorennen lieferten, mitten in Köln. Es kam zum Crash, eines der Autos schleuderte durch die Luft und traf Gian­lu­ca, der mit dem Fahrrad unterwegs war. Das war am Freitag vor einer Woche, drei Tage später erlag er seinen Verletzungen.

In vielen Großstädten sind illegale Autorennen ein gefährliches Problem. Oft sind es junge Fahrer, die zu nächtlicher Stunde die Straßen der Innenstädte als Showbühne nutzen, um mit aufgemotzten Karren und viel zu hoher Geschwindigkeit Eindruck zu schinden. In Berlin entgingen die Gäste eines Biergartens am Montagabend nur knapp einer Katastrophe, als sich ein 19-Jähriger mit einer Mercedes-Limousine ein Rennen mit zwei anderen Fahrern lieferte, dabei die Kontrolle über das Auto verlor, eine Ampel rammte und erst im Biergarten zum Stehen kam. Wie durch ein Wunder wurde er nur leicht verletzt.

Sonderkommission "Rennen" eingesetzt

Hektisch wird in den Städten daher an Verbesserungen gearbeitet. In Köln setzte die Polizei schon im Frühjahr die Sonderkommission „Rennen“ ein. Seitdem wurden rund 8600 Fahrzeuge kontrolliert, vor allem auf den Kölner Ringen, der Ausgehmeile der Stadt. Das allein reicht aber nicht, und so wird über Tempolimits, zusätzliche Blitzer und PS-Begrenzungen diskutiert.

In der Debatte rückt nun ein neues Phänomen in den Fokus. Immer mehr Raser führen ihre illegalen Rennen mit geliehenen Autos durch, auch um ihre eigenen Pkw zu schonen. Sie nutzen Carsharingautos, in vielen Städten sind etliche Anbieter von Mietwagen unterwegs. Auch die beiden Männer, die für den Tod von Gianluca verantwortlich sind, fuhren mit Carsharingfahrzeugen, die sie sich ein paar Stunden vor dem Unfall gemietet hatten, ein BMW und ein Mini. Die Kölner Polizei beobachtet seit einiger Zeit bei Kontrollen, dass Mietwagen für illegale Autorennen beliebter werden. Die Stadt will deshalb erreichen, dass Mietwagenanbieter künftig mit der Polizeibehörde kooperieren. Die Stadtverwaltung prüfe einen Datenaustausch, heißt es bei der Polizei.

Der Carsharinganbieter Drive Now bestätigt, dazu bereits Gespräche mit der Polizei zu führen. Eine „umfassende Prävention“ sei jedoch nur dann möglich, wenn das Unternehmen bei der Registrierung mehr Daten über Kunden bekommen könne, um Risikogruppen im Vorfeld zu identifizieren, sagt Firmensprecherin Aurika Nauman.

Einige jener Menschen, die an der Kölner Mahnwache am Donnerstag teilnahmen, wünschen sich hingegen etwas anderes. „Diese Raser sollte man hierherholen und ihnen zeigen, was sie mit ihrem Verhalten anrichten können“, sagte ein Mann. Neue Regeln seien wichtig, aber vor allem brauche es bei diesen Leuten eine Bewusstseinsveränderung.

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