Amsterdam –

Gedenken an die Opfer von Flug MH17

Ein Jahr nach dem Abschuss des Flugzeugs über der Ukraine sind die Schuldigen nicht gefunden

Amsterdam –. Gelb ist die Farbe der Trauer an diesem Freitag. Sonnenblumen sind das Symbol der Katastrophe von Flug MH17. Angehörige bringen dicke Sträuße zur Gedenkfeier in Nieuwegein bei Utrecht. An der Kaserne in Hilversum, wo die sterblichen Überreste der Opfer identifiziert wurden, stehen dicke Kübel mit den Blumen. In Amsterdam ist ein Saal in einem Museum mit einem Meer aus Sonnenblumen gefüllt - sie wuchsen aus Samen, die niederländische Reporter von der Absturzstelle in der Ostukraine mitgenommen hatten.

Ein riesiges Sonnenblumenfeld – so muss das Gebiet in der Ostukraine ausgesehen haben an jenem 17. Juli 2014, bevor die Passagiermaschine der Malaysia Airlines mit der Flugnummer MH17 abstürzte. Getroffen von einer Rakete. 298 Menschen starben, die meisten waren Niederländer.

Tag der Anteilnahme

Der Jahrestag der Katastrophe ist in den Niederlanden ein Tag der Anteilnahme mit den Angehörigen. Schweigeminute, Flaggen auf halbmast, Blumen und Kränze am Amsterdamer Flughafen Schiphol. Von dort aus war die Maschine mit Ziel Kuala Lumpur abgeflogen.

Die australische Zeitung „Daily Telegraph“ aus Sydney veröffentlichte am Freitag Aufnahmen der noch qualmenden Wrackteile der Boeing 777. In dem Video sind prorussische Separatisten zu sehen. Sie erschrecken offenbar, als sie feststellen, dass es sich bei dem abgeschossenen Flugzeug um eine Passagiermaschine handelte. Australiens Premierminister Tony Abbott sagte, das Video zeige, dass es sich um eine „Gräueltat“ gehandelt habe, „keinesfalls um einen Unfall“. Es habe eine „Gleichgültigkeit“ darüber geherrscht, „wo diese Rakete hinflog“. In Canberra ehrte Abbott die 38 australischen Opfer. Er enthüllte ein Denkmal, das auf Erde errichtet wurde, die ein australischer Polizist vom Absturzort mitbrachte. Anschließend legte er mit seiner Ehefrau einen Kranz nieder.

An der Absturzstelle im Kriegsgebiet Donbass haben fast 200 ukrainische Dorfbewohner der Opfer gedacht. Organisiert wurde die Veranstaltung nahe der Ortschaft Grabowe von den prorussischen Separatisten, die mehrere Gebiete in der Ostukraine kontrollieren. Einer der Anführer der Aufständischen sagte, die Rebellen seien bereit, „jede nötige Hilfe bereitzustellen“, damit bewiesen werden könne, dass die „kriminelle ukrainische Führung die Verantwortung für diese Tragödie trägt“.

Mit der Katastrophe von Flug MH17 wurden die Niederlande in einen Krieg hineingezogen, mit dem sie nichts zu tun haben. Auch ein Jahr später gibt es noch immer keine gesicherten Antworten auf die Frage: Wer ist dafür verantwortlich? Der Abschlussbericht der technischen Analyse soll erst im Oktober vorliegen. Erste Ergebnisse der strafrechtlichen Ermittler werden zum Jahresende erwartet. Für die meisten Niederländer steht aber jetzt schon fest: die Rebellen sind die Schuldigen und Russland mitverantwortlich. Immer lauter werden auch die Vorwürfe gegen die eigene Regierung. Vor einem Jahr noch hatte Ministerpräsident Mark Rutte versprochen, dass „der letzte Stein umgedreht wird“ und die Täter zur Rechenschaft gezogen würden. Bisher Fehlanzeige. Der Regierungschef weist die Vorwürfe zurück. „Gerade weil das so eine politisch heikle Frage ist, müssen wir absolut sicher sein“, mahnte Rutte.

Lückenlose Beweiskette nötig

Die Aufklärung der Katastrophe von MH17 geschieht im Minenfeld des politischen Konfliktes zwischen dem Westen und Russland. Daher ist für die Niederlande auch eine lückenlose Beweiskette und die Unabhängigkeit der Ermittler entscheidend.

Russland ist an der technischen Untersuchung des niederländischen Sicherheitsrates beteiligt. Moskau stellte den Ermittlern ein dickes Paket an möglichem Beweismaterial zur Verfügung. Das wird nach Aussagen der Ermittler noch immer geprüft.

Die Beteiligung Russlands ist entscheidend. Denn nur so gibt es eine Chance, dass die Täter auch vor ein Gericht gestellt werden können. Ein Tribunal unter UN-Flagge, wie es die Niederlande und andere beteiligte Länder wollen, könnte von der Veto-Macht Russland zu Fall gebracht werden.

Für die Angehörigen ist die Ungewissheit unerträglich, sagen sie in Interviews. Doch das politische Gezerre droht ihre ganz persönliche Trauer zu verdrängen. Ein Jahr nach dem Tod ihrer Liebsten wollten sie daher unter sich sein. Die Gedenkfeier in Nieuwegein fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.