Bremervörde –

Eisdielen-Unfall „schlimme Geschichte des Gaffens“

25-Jähriger wollte das Geschehen filmen, geriet darüber mit der Polizei in einen handfesten Streit

Bremervörde –. Dutzende Rettungskräfte arbeiten fieberhaft am Unfallort. Doch als wäre das Unglück nicht genug, kommt es zu Handgreiflichkeiten zwischen Polizisten und Schaulustigen. Die Arbeit von Polizei und Feuerwehr wird oftmals durch Gaffer behindert, auch beim tragischen Unfall in Bremervörde war das der Fall. Dort krachte am Sonntagnachmittag ein Auto ungebremst in eine Eisdiele. Ein zweijähriger Junge und ein 65 Jahre alter Mann starben.

„Es ist ehrverletzend und menschenunwürdig, dort zu filmen, wo Menschen im Blut liegen und um ihr Leben ringen und die Einsatzkräfte alles tun, um zu retten“, kritisiert der niedersächsische Vorsitzende der Polizeigewerkschaft GdP, Dietmar Schilff. Für die Polizei sei das ein Riesenproblem. Die Grenze laufe ganz klar dort, wo die Arbeit der Einsatzkräfte behindert werde. „Das muss geahndet werden, und es können Bußgelder bis zu 5000 Euro ausgesprochen werden“, sagt Schilff, der auch GdP-Vizebundesvorsitzender ist.

Den Vorfall in Bremervörde vom Sonntag nennt Polizeisprecher Heiner van der Werp von der Polizeiinspektion Rotenburg eine „schlimme Geschichte des Gaffens“. Ein 25-Jähriger wollte mit seinem Handy den Unfallort filmen, störte damit aber den Einsatz. Dem Mann wurde das Filmen untersagt. Er verließ den Unfallort, kam aber mit Verstärkung zurück. Dann kam es zu einem handfesten Gerangel mit Polizisten. Van der Werp: „Zwei Beamte wurden leicht verletzt.“ Es erging Anzeige wegen Widerstandes gegen Polizeibeamte.

Schilff, selbst Polizeihauptkommissar, schränkte ein, dass es sich bei den wirklich harten Gaffern, die die Arbeit der Einsatzkräfte behindern, um eine Minderheit handele. Zum Alltag gehöre für Polizei und Feuerwehr aber, dass Fotos und Videos oft schon Minuten nach Unfällen in den sozialen Netzwerken kursieren. „Das ist ein Kundtun nach dem Motto: Ich war dabei“, versucht Schilff die Motivation der Handy-Filmer zu erklären. Währenddessen wurde bekannt, dass die Verursacherin des Unfalls vor dem Unglück möglicherweise einem Radfahrer die Vorfahrt genommen hat. Entsprechende Aussagen von Passanten würden derzeit überprüft, wie die Polizei am Dienstag in Rotenburg ­mitteilte.

Die Beamten baten den unbekannten Radfahrer, sich bei den Behörden zu melden. Zudem soll mit einer Blutuntersuchung auf Medikamente und Alkohol geprüft werden, ob die Autofahrerin gesundheitliche Probleme hatte und fahrtüchtig war. Die bei dem Unfall schwer verletzte 59-Jährige sei ansprechbar, teilte van der Werp mit. Der Gesundheitszustand der schwer verletzten 25-jährigen Mutter des getöteten Kleinkindes habe sich inzwischen stabilisiert. Bei dem Unfall waren darüber hinaus neun weitere Menschen verletzt worden.