Heikendorf –

Soldaten ziehen Kriegsgerät aus Ostsee-Villa

Wehrmachtspanzer und Flakgeschütz geborgen. Ermittlung gegen Sammler

Heikendorf –. Die komplizierte Bergung eines Weltkriegspanzers und eines 8,8-Zentimeter-Flakgeschützes aus der Kellergarage eines Sammlers in Heikendorf bei Kiel hat der Bundeswehr einiges abverlangt: Rund neun Stunden brauchten knapp 20 Soldaten allein, um den Panzer vom Typ Panther aus dem Haus zu holen und auf einen Tieflader zu schieben. Möglich wurde dies nur durch zwei Bergepanzer mit reichlich Zugkraft, zuvor eigens gebauten Holzrampen und schweißtreibender Millimeterarbeit bei hochsommerlichen Temperaturen. Der Panzer stand in einer unterirdischen Halle, die aus mehreren Ebenen bestehen soll.

Den laut Bundeswehr knapp 40 Tonnen schweren Panzer ohne Ketten hatten Ermittler bei einer Durchsuchung in der Kellergarage des Sammlers entdeckt. Die Kieler Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 78 Jahre alten Besitzer des Panzers wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkon­trollgesetz.

Der Rechtsanwalt des Mannes bezeichnete den Einsatz als unverhältnismäßig. „Der Panzer ist demilitarisiert“, sagte Anwalt Peter Gramsch. Er will nun rechtliche Schritte gegen die Beschlagnahmung einleiten und auch Schadenersatz für seinen Mandanten fordern. „Ich gehe davon aus, dass der Panzer bei der Aktion beschädigt worden ist.“ Gleiches gelte für den Privatweg vor der Villa. Es gebe eine Bescheinigung des Kreises Plön vom 31. Oktober 2005, wonach der Panzer seine Kriegswaffeneigenschaft verloren habe.

Der Weltkriegspanzer stand offenbar schon seit Jahren in dem Nobelviertel im Keller des 78-Jährigen. Der Heikendorfer soll in seinen Garten auch Kunst aus der NS-Zeit gestellt haben. In diesem Zusammenhang war er im Zuge von Ermittlungen nach wieder aufgetauchter Nazi-Kunst auch ins Visier der Beamten geraten.

( dpa )

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