Tunis

Weitere Opfer in Tunesien identifiziert

| Lesedauer: 2 Minuten
Benno Schwinghammer, Jan Kuhlmann und Tarak Guizani

Attentäter soll Verbindungen zu militanten Gruppen gehabt haben

Tunis.  Nach dem Attentat von Sousse sind weitere Tote identifiziert worden. Bislang seien die Namen von 27 Opfern ermittelt worden, teilte das tunesische Gesundheitsministerium am Dienstag mit. Ein junger Student hatte am vergangenen Freitag in dem tunesischen Badeort 38 Urlauber getötet, bevor er selbst erschossen wurde.

Unter den Toten sind laut Ministerium 19 Briten und drei Iren. Britische Medien berichteten, 30 Briten seien ums Leben gekommen. Auch zwei Deutsche wurden getötet. Insgesamt wurden dem Gesundheitsministerium zufolge 39 Menschen verletzt, darunter eine Deutsche. Die meisten hätten das Krankenhaus verlassen können.

Tunesiens Ministerpräsident Habib Essid sagte dem US-Sender CNN, es gebe Hinweise, dass der Attentäter Verbindungen zu militanten Gruppen gehabt habe. Er soll eine Moschee besucht haben, in der Terroristen ausgebildet wurden. Der 24-Jährige hatte in der Salafistenhochburg Kairouan studiert. Er sei mit einem Fahrzeug zum Tatort gebracht worden, das letzte Stück aber zu Fuß gelaufen, erklärte Ministerpräsident Essid.

Tunesiens Regierung hatte am Montag die Festnahme mehrerer Verdächtiger gemeldet, die den Attentäter unterstützt haben sollen. Einzelheiten nannte Innenminister Mohamed Najem Gharsalli jedoch nicht, auch nicht die Zahl der Festgenommenen.

Das Attentat bedeutet einen schweren Schlag für den Tourismus in Tunesien, der ein wichtiger Wirtschaftszweig des Landes ist. Die tunesische Tourismusministerin Selma Elloumi Rekik rechnet mit Einbußen von mehr als 500 Millionen Dollar (450 Millionen Euro) als Folge des Anschlags, wie sie am Montagabend erklärte. In den vergangenen Tagen hatten Hunderte Touristen ihren Urlaub in Tunesien abgebrochen. Die Tourismusministerin kündigte deswegen am Dienstag eine Reihe von „Dringlichkeitsmaßnahmen“ an. So sollen Beschäftigte im Fremdenverkehr Hilfen erhalten und Tourismuseinrichtungen für die Saison 2015 und 2016 mit Sonderkrediten gestützt werden.

Als weitere Maßnahme soll die im vergangenen Jahr eingeführte Ausreisesteuer in Höhe von 30 Dinar (13,70 Euro) für Ausländer beim Verlassen des Landes gestrichen werden. Dazu bedarf es allerdings noch einer Entscheidung des Parlaments. „Wenn der Tourismussektor einbricht, bricht die Wirtschaft ein“, sagte die Ministerin.

Derweil begann in der Hauptstadt Tunis einer der wichtigsten Prozesse seit der Jasminrevolution: Es geht um die Ermordung des linken Oppositionspolitikers Chokri Belaïd durch mutmaßliche Islamisten. Seit Dienstag stehen 30 Angeklagte vor Gericht. Sie müssen sich unter anderem wegen Mordes und Anstiftung zum Mord verantworten. Bisher war immer von 24 Angeklagten die Rede gewesen. Belaïd war am 6. Februar 2013 vor seinem Haus in Tunis erschossen worden. Der Chef einer linken Partei war ein Kritiker der damaligen Regierung unter Führung der islamistischen Ennahda.

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