Ingolstadt

700 Euro für einen kranken Mops

Rechtstreit darum, ob das Leiden von „Emma“ züchterisch bedingt ist, endet mit Vergleich

Ingolstadt.  „Emma“ war nicht dabei. Frauchen Aurelia Hofmann verzichtete dieses Mal darauf, ihren lahmenden Mops zum Prozess mitzubringen. Sie hätte das Tier ohnedies nicht in den Saal mitnehmen dürfen – am Landgericht Ingolstadt gilt ein Hundeverbot. Nach einer halben Stunde war am Montag alles vorbei. Auf Drängen der Vorsitzenden Richterin einigten sich die Parteien in einem fast zwei Jahre währenden Rechtsstreit um die Krankheiten der Mopshündin. Die Züchterin zahlt der Käuferin der vier Jahre alten „Emma“ 700 Euro Wertminderung, die Hälfte des Kaufpreises.

Immer wenn es nass und kalt ist, humpelt „Emma von den kleinen Molossern“ (so ihr voller Name) beim Gassigehen. Hofmann ließ ihrem grau melierten Liebling sogar Goldkügelchen an den Akupunkturstellen implantieren, damit es ihm bessergeht. Auf mindestens 1400 Euro belaufen sich nach Angaben der 28-Jährigen die Behandlungskosten. Hofmann meint, dass die Knie- und Ellbogenerkrankungen züchterisch bedingt sind und verklagte die Züchterin auf Schadenersatz und Wertminderung. In erster Instanz verlor Frauchen den Prozess, auch weil ein Gutachten zu der Überzeugung kam, dass „Emma“ im Wesentlichen gesund ist.

Vor der Zivilkammer wurden am Montag die unterschiedlichen Standpunkte erneut ausgetauscht. Die eigentlich zum Prozess geladene Züchterin erschien nicht – ihr Anwalt Wolfgang Maus entschuldigte sie krankheitsbedingt. Überhaupt hätten die auch in den sozialen Netzwerken verbreiteten Anschuldigungen seiner Mandantin schwer geschadet. Sie sei in psychiatrischer Behandlung. Hofmanns Anwalt Andreas Ackenheil – selbst Hundebesitzer – beharrte jedoch darauf, dass „Emmas“ Arthrose züchterisch verschuldet sei. Die Mutter von „Emma“ sei viel zu früh auf ihre Zuchtfähigkeit untersucht worden und habe ausbeuterisch oft Junge bekommen müssen. „Emma hat tagtäglich unter den Mängeln zu leiden.“

Richterin Heike Linz-Höhne machte Ackenheil und seiner Mandantin jedoch klar, dass sie kein Verschulden bei der Züchterin sieht. Schließlich habe die Frau die Genehmigung von ihrem Zuchtverband gehabt. Schadenersatz sei deshalb nicht drin.

Zum Vergleich war es danach nicht mehr weit: Die inzwischen nicht mehr aktive Züchterin erstattet Hofmann den halben Kaufpreis, Frauchen verzichtet im Gegenzug auf alle Ansprüche aus dem Kaufvertrag.