Hannover

Foltervorwürfe - Bundespolizist erneut unter Verdacht

Erneut soll ein Bundespolizist in Hannover einen Mann geschlagen haben. Ein bereits unter Verdacht stehender Kollege sei dabei gewesen.

Dienstfahrzeuge parken vor der Wache der Bundespolizeiinspektion in Hannover (Niedersachsen)

Dienstfahrzeuge parken vor der Wache der Bundespolizeiinspektion in Hannover (Niedersachsen)

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Bei der Bundespolizei in Hannover soll es zu Misshandlungen nicht nur auf der Wache, sondern auch in einem Polizeifahrzeug gekommen sein. Ein mutmaßliches Opfer habe bestätigt, am Hauptbahnhof aufgegriffen und auf der Fahrt in dem Polizei-Bully misshandelt worden zu sein, teilte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge am Donnerstag mit. Die mutmaßlichen Täter seien inzwischen ermittelt.

Wie der Sender NDR berichtete, soll ein Beamter einen Kollegen dazu aufgefordert haben, die Musik lauter zu drehen, während der Mann verprügelt wurde. Dieser soll dabei einen Zahn verloren haben. Der Beamte soll das Fahrzeug im Anschluss von Blut gereinigt haben. Unter Verweis auf laufende Ermittlungen wollte die Staatsanwaltschaft zu Einzelheiten nichts sagen.

Ein 39 Jahre alter Beamter der Bundespolizei in Hannover steht unter Verdacht, mindestens zwei Männer aus Afghanistan und Marokko auf der Wache im Hauptbahnhof gedemütigt und geschlagen zu haben. Nach dem NDR-Bericht war er auch in dem Polizeifahrzeug dabei.

Flüchtling bestätigt Folter-Vorwurf

Nach den Folter-Vorwürfen gegen den Bundespolizisten aus Hannover hatte einer der betroffenen Flüchtlinge die Anschuldigungen bestätigt. Es sei gelungen, den Marokkaner ausfindig zu machen und zu befragen, teilte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge mit. Einzelheiten zu der Aussage des jungen Mannes konnte er unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht machen.

Der Flüchtling aus Afghanistan habe noch nicht ausfindig gemacht werden können, sagte Klinge. Geprüft werde immer noch, ob weitere Polizeibeamte von den Misshandlungen gewusst haben.

Auch Beamte, die nicht direkt an den mutmaßlichen Taten beteiligt, aber Zeuge gewesen seien und diese nicht unterbunden oder gemeldet hätten, drohen Ermittlungen wegen Beihilfe zu einer Straftat, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft im Inforadio des Senders RBB.