Germanwings-Absturz

Nach Lubitz’ Todesflug nun auch Ermittlungen gegen Lufthansa

Die Justiz ermittelt nach dem Germanwings-Absturz nun auch wegen fahrlässiger Tötung. Laut Opfervereinigung Fenvac gehe es „ganz klar“ um die Frage nach „Fehlern und Versäumnissen“ durch Lufthansa.

Foto: Yoan Valat / dpa

Fast drei Monate nach dem Germanwings-Absturz mit 150 Toten weitet die französische Justiz ihre Ermittlungen aus: Untersuchungsrichter würden in Marseille die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung übernehmen, teilte der zuständige Staatsanwalt Brice Robin am Donnerstag in Paris mit. Nach Angaben einer Opfervereinigung soll es dabei um mögliche Fehler bei der medizinischen Überprüfung von Copilot Andreas Lubitz durch die Lufthansa gehen.

Robin sagte mit Blick auf den Copiloten, der das Flugzeug den Ermittlern zufolge absichtlich abstürzen ließ, er könne keine Untersuchung wegen Mordes eröffnen, „denn der Täter ist gestorben“. Nun sollen die Untersuchungsrichter nach seinen Angaben die Frage beantworten, „wie das Arztgeheimnis und die Sicherheit von Flügen“ gewährleistet werden könnten, „wenn man einen labilen Piloten hat“.

Der Staatsanwalt hatte zuvor über vier Stunden lang in Paris mit etwa 200 Angehörigen von Opfern gesprochen, darunter Deutsche und Spanier, um sie über den Stand der Ermittlungen zu informieren. Der Präsident der Opfervereinigung Fenvac, Stéphane Gicquel, sagte danach, es gehe bei den künftigen Ermittlungen „ganz klar“ um die Frage „nach Fehlern oder Versäumnissen bei der Feststellung des Gesundheitszustandes“ von Copilot Andreas Lubitz „durch die Fluggesellschaft Lufthansa“.

Lubitz hatte vor Todesflug 41 Ärzte aufgesucht

Die Maschine der Lufthansa-Tochter Germanwings war am 24. März auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen zerschellt. Alle 150 Insassen kamen ums Leben, darunter 72 Deutsche. Den Ermittlungen zufolge hatte Copilot Andreas Lubitz, der schon länger unter Depressionen litt, den Airbus in den französischen Alpen absichtlich in den Sinkflug gebracht. Den Flugkapitän hatte Lubitz zuvor aus dem Cockpit ausgesperrt.

>> Der Germanwings-Absturz im Sekundenprotokoll <<

Andreas Lubitz hatte laut Staatsanwalt Robin in „fünf Jahren 41 Ärzte“ aufgesucht, davon sieben in den Monaten unmittelbar vor dem Absturz. Demnach hatte der Copilot eine „Psychose begleitet von Sehstörungen“. Nach Recherchen von „Süddeutscher Zeitung“, NDR und WDR traten die psychischen Probleme, unter denen Lubitz bereits in seiner Ausbildung zum Piloten gelitten hatte, erst ab Ende 2014 wieder auf. Kurz vor dem Unglück soll er demnach im Internet auch nach tödlichen Medikamenten und Zyankali gesucht haben.

44 Särge nach Deutschland geflogen

Der Germanwings-Muttergesellschaft Lufthansa war nach dem Unglück vorgehalten worden, den Copiloten womöglich nicht ausreichend medizinisch überprüft zu haben. So wurde die Frage gestellt, warum Lufthansa-Mediziner den Copiloten während seiner Ausbildung 2009 für flugtauglich erklärt hätten, obwohl bekannt gewesen sei, dass er weiterhin psychologisch behandelt werden müsse.

Nach der Katastrophe waren diese Woche die ersten 44 Särge mit Überresten von Opfern von Marseille nach Düsseldorf geflogen worden, darunter auch die 16 Schüler und zwei Lehrerinnen aus dem nordrhein-westfälischen Haltern, die auf dem Rückflug von einem Schüleraustausch waren. Die ersten Bestattungen in Deutschland waren noch diese Woche vorgesehen.

Die sterblichen Überreste weiterer Opfer sollen bis Ende des Monats übergeführt werden. Etwa 30 Särge sollen am Montag von Marseille nach Barcelona geflogen werden. Nach Angaben von Staatsanwalt Robin sollen nicht identifizierbare Leichenteile in einem Gemeinschaftsgrab im Dorf Vernet in der Nähe des Absturzortes bestattet werden.