Naturkatastrophe

Heftiges Erdbeben erschüttert erneut Nepal

Ein Erdbeben der Stärke 7,4 auf der Richterskala hat Nepal erschüttert. Erst vor zweieinhalb Wochen hatte ein verheerendes Beben die Region verwüstet.

Erneut hat ein starkes Erdbeben Nepal erschüttert und Menschen in den Tod gerissen. Nach Angaben der Regierung kamen am Dienstag mindestens 23 Menschen ums Leben, 981 wurden verletzt. Die Erdstöße der Stärke 7,4 lösten erneut Erdrutsche aus und ließen Gebäude einstürzen – allerdings weniger als beim schweren Erdbeben vor gut zwei Wochen. Der Internationale Flughafen von Kathmandu, Drehkreuz der Hilfe aus aller Welt – musste zeitweilig geschlossen werden.

Das Epizentrum des Bebens lag in einer entlegenen Region zwischen der Hauptstadt Kathmandu und dem Mount Everest. Innerhalb einer halben Stunde folgten zwei Nachbeben der Stärken 5,6 und 6,3. Die Menschen in der Hauptstadt rannten wegen der neuerlichen Erschütterungen auf die Straße. Die starken Erdstöße waren auch in Tibet und im Norden Indiens zu spüren. In Neu-Delhi liefen die Menschen nach draußen, die Gebäude schwankten.

Am 25. April hatte ein Beben der Stärke 7,8 das bitterarme Land am Himalaya getroffen. Mehr als 8150 Menschen kamen ums Leben, weitere 17 860 weitere wurden verletzt.

Helfer suchen nach Überlebenden

Die kleine Stadt Chautara wurde nach dem Beben vom 25. April zum Zentrum für humanitäre Hilfe, von dem aus Retter in entlegene Gebiete ausgesendet werden. Dutzende Helfer sind hier stationiert. Ein Sprecher der Internationalen Organisation für Migration (IOM), Paul Dillon, sagte, ein Rettungsteam seiner Organisation suche in den Trümmern nach Überlebenden. Das norwegische Rote Kreuz, das in Chautara in einem 60-Betten-Krankenhaus hilft, teilte via Twitter mit, dass viele Menschen verletzt und einige umgekommen seien. Die Menschen hätten fürchterliche Angst. Alle seien nach draußen auf die Straßen gerannt.

Der Sprecher der indischen Botschaft, Abhay Kumar, sagte, einige Gebäude in Kathmandu seien eingestürzt. Nach Expertenangaben waren bei dem Beben am 25. April an den Gebäuden große bauliche Schäden entstanden. Sie könnten bei folgenden Beben besonders gefährdet sein.

Unicef-Mitarbeiterin Rose Foley sagte, es scheine, dass die Erschütterungen immer weiter gingen. „Es fühlte sich an, wie auf einem Boot in rauer See zu sein.“ Man denke an die Kinder im ganzen Land, die noch immer litten. „Das neue Beben könnte sie sogar noch verletzlicher machen.“

Rasmus Baastrup, ein dänischer Arzt von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, sagte einem dänischen Fernsehsender, er sei schnell nach draußen gegangen. „Ich konnte nicht rennen, weil die Erde so stark schwankte, dass es nicht möglich war.“ Ihm sei gesagt worden, dass die Mitarbeiter seiner Organisation überlebt hätten.

„Diesmal müssen wir sterben“

Sulav Singh, der mit seiner Tochter in einem Vorort von Thapathali durch die Straßen eilte, sagte: „Ich dachte, dieses Mal sterben zu müssen.“ Es sei gerade wieder so etwas wie Normalität eingekehrt – „und nun bekommen wir das“.

Die Nepalesen waren in den Tagen nach dem Erdbeben vor gut zwei Wochen ohnehin von Dutzenden Nachbeben erschreckt worden. Mittlerweile hat das verarmte Land die internationale Gemeinschaft zu Spenden aufgerufen. Ärzte versuchen die Verletzten zu behandeln. Hubschrauber bringen den Hunderttausenden Obdachlosen Nahrung und Zelte in Gegenden, die wegen Erdrutsche immer noch nicht zu erreichen sind.

Wegen der Katastrophe leben Hunderttausende obdachlose Kinder in Lagern. Sie seien in Gefahr, ausgebeutet zu werden, warnte die Kinderschutzkommission der nepalesischen Regierung am Dienstag. Die Jungen und Mädchen seien großen Risiken ausgesetzt, weil so viele Menschen gezwungen seien, auf engstem Raum in Zelten zusammen zu leben. Im Radio laufen inzwischen Hinweise, dass Eltern ihre Kinder nicht unbeaufsichtigt lassen sollten und Verdächtige in den Lagern beobachten sollten.