Zweiter Verhandlungstag

Tugce-Prozess – Zeugin schildert massive Beleidigungen

| Lesedauer: 2 Minuten

Foto: Boris Roessler / dpa

Im Prozess um den Tod von Tugce schildern Zeugen, dass der Angeklagte sehr aggressiv gewesen sein soll. Er habe die Frauen massiv beleidigt und auch bedroht. Auf dem Parkplatz eskalierte der Streit.

Im Prozess um den gewaltsamen Tod von Tugce Albayrak hat die erste Zeugin aus der Freundesgruppe der jungen Frau ihre Sicht des Tathergangs geschildert. Der Angeklagte Sanel M. sei sehr aggressiv gewesen, sagte die Zeugin am Montag, dem zweiten Verhandlungstag. Er und seine Freunde hätten die Gruppe um Tugce vom Betreten des Offenbacher Schnellrestaurants an massiv beleidigt. Es seien Worte wie „Schlampe, wie viel kostest du denn“ gefallen. Praktisch alle Gäste hätten die jungen Frauen ausgelacht.

Nachdem die Gruppe der jungen Frauen sich an einen Tisch gesetzt hatte, sei von unten aus der Toilette lauter Streit zu hören gewesen. Tugce sei aufgesprungen und zur Toilette hinuntergerannt, eine Freundin und die Zeugin als letzte hinterher. Im Türrahmen der Damentoilette standen nach deren Angaben der Angeklagte und zwei Freunde. Tugce habe sie aufgefordert, die Toilette zu verlassen. Sanel M. sei ihr sehr nahe gekommen und habe sie beleidigt. Schließlich kamen laut der Schilderung aus der Männertoilette zwei Männer und führten den Angeklagten und einen Freund von ihm im Schwitzkasten nach oben.

Tugce fragte sodann die zwei minderjährigen Mädchen in der Toilette, die Anlass für den Streit gewesen waren, ob alles gut sei, was diese bestätigt hätten. Beim Hinausführen habe Sanel M. Tugce bedroht, „du wirst noch sehen, du Schlampe, was du davon hast“.

Die Frauengruppe habe dann in Ruhe fertig gegessen und sei zum Rauchen auf den Parkplatz gegangen. Dorthin seien ihnen Sanel M. und weitere Freude gefolgt. Dann seien die Beleidigungen erst richtig losgegangen, sagte die Zeugin, die Frauen hätten sich gewehrt. „Die Auseinandersetzung hat sich hochgespielt.“ Schließlich seien die jungen Männer zu ihren Autos gegangen, und auch die Frauen wollten gehen, als Sanel M. zurückgekommen und Tugce geschlagen habe, während ein Freund aus seiner Gruppe noch eine andere Frau geschlagen habe.

Den Schlag selbst will die Zeugin von ihrem Standpunkt aus nicht gesehen haben. Als angehende Krankenschwester sei sie hinzugelaufen und habe versucht, mit ihrer Hand das aus Tugces Kopf strömende Blut zu stoppen. Tugce fiel mit Schädelbrüchen ins Koma. Rund zwei Wochen später, am 28. November 2014, Tugces 23. Geburtstag, ließen ihre Eltern die lebenserhaltenden Maschinen abschalten.

( epd )

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