Nepal

Mehr als 1130 Tote bei schwerem Erdbeben im Himalaya

Mehr als 90 Sekunden lang bebt die Erde im Himalaya. In Nepal stürzen zahlreiche Häuser ein – doch auch Menschen in großen Teilen Indiens und Bangladeschs waren von dem gewaltigen Zittern betroffen.

Foto: Niranjan Shrestha / AP

Schwere Zerstörungen und hunderte Opfer hat ein schweres Erdbeben im Himalaya-Staat Nepal hinterlassen: Allein in der Hauptstadt Kathmandu kamen Hunderte Menschen bei dem Beben der Stärke 7,8 ums Leben, wie die Polizei am Samstagabend mitteilte. Die landesweite Opferzahl gab sie am Abend mit mindestens 1130 an. Im Basislager am Mount Everest wurden zehn Menschen durch eine Lawine getötet. Auch aus Nordindien wurden Dutzende Opfer gemeldet.

Ein Polizeisprecher sagte, aus allen Regionen Nepals mit Ausnahme des äußersten Westens seien Opfer gemeldet worden. Die Sicherheitskräfte seien mobilisiert worden, um bei den Rettungsarbeiten zu helfen und die Bedürftigen zu unterstützen. Die Kommunikation mit den entlegeneren Regionen des gebirgigen Landes war so schwierig, dass Informationen über die Lage nach dem Erdbeben erst allmählich in Kathmandu eintrafen.

Das Beben der Stärke 7,8 hatte den Himalaya-Staat und Teile Indiens zur Mittagszeit erschüttert. Nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS lag das Epizentrum des Bebens rund 80 Kilometer nordwestlich von Kathmandu. Wie Augenzeugen berichteten, stürzten Bewohner der Hauptstadt nach Beginn des Bebens ins Freie, während mehrere Häuser einbrachen. Die Erdstöße dauerten zwischen einer halben Minute und zwei Minuten.

Flughafen geschlossen

Auch der emblematische Dharhara-Turm im Zentrum der Altstadt stürzte ein. Ein Fotograf sah zahlreiche Tote vor dem historischen Bauwerk. Der 36-jährige Dharmu Subedi, der beim Einsturz des neunstöckigen Turms verschüttet wurde, sagte im Krankenbett, er habe unter dem Schutt kaum atmen können, dann hätten ihn Retter geborgen. Er wisse jedoch nicht, wo seine Freunde seien. Auch andere historische Gebäude wurden schwer beschädigt.

Der internationale Flughafen von Kathmandu wurde wegen Schäden vorübergehend geschlossen. Die niederländische Diplomatin Kari Cuelenaere sagte, sie hätten in Kathmandu mit Kindern gerade den niederländischen Nationalfeiertag am Schwimmbecken eines Hotels gefeiert, als das Wasser plötzlich herausschwappte. „Es war furchtbar, plötzlich kam das ganze Wasser aus dem Pool. Die Kinder schrien“, sagte Cuelenaere.

Lawine am Mount Everest

Das Basislager des Mount Everest, wo zum Start der Klettersaison zahlreiche Bergsteiger versammelt sind, wurde infolge des Bebens von einer Lawine getroffen. Ein Vertreter der Tourismusbehörde sprach von mindestens zehn Todesopfern, unter ihnen ausländische Bergsteiger. Noch gebe es keine Einzelheiten, sagte Gyanendra Kumar Shrestha. Die Lawine habe das Lager teilweise unter sich begraben, in dem sich etwa tausend Menschen aufhielten.

Auch Indien und Bangladesch betroffen

In der gebirgigen Region gibt es immer wieder schwere Erdbeben. Im Jahr 2011 kamen bei einem Beben der Stärke 6,9 im Nordwesten Indiens und in Nepal 110 Menschen ums Leben. Auch am Samstag waren die Erdstöße in Nordindien und Bangladesch zu spüren, so in der Hauptstadt Dhaka, wo die Menschen teilweise in Panik auf die Straße stürzten. Medienberichten zufolge wurden in einer Textilfabrik am Rande von Dhaka 50 Arbeiter verletzt, als sie ins Freie drängten.

Auch in Neu Delhi bebte die Erde. Indiens Behörde für Meteorologie teilte mit, das Beben sei besonders in den nördlichen Bundesstaaten Uttar Pradesh, Bihar, Sikkim und West Bengal zu spüren gewesen. Demnach wurde rund 20 Minuten nach dem ersten Beben ein zweiter Erdstoß der Stärke 6,6 registriert. In Nordindien wurden insgesamt 26 Tote gemeldet, darunter 17 in Bihar. Zwei weitere Tote gab es laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua in Tibet.