Kinderwunsch

Melina Rost sammelt Geld für eine künstliche Befruchtung

Mit einem intimen Aufruf wandte sich die 39-jährige Berlinerin Melina Rost an die Öffentlichkeit: Sie sammelt Geld, um sich künstlich befruchten zu lassen. Crowdfunding für ein Baby, sozusagen.

Foto: Reto Klar

Auch Supermänner haben sich bei Melina Rost gemeldet, selbst ernannte allerdings. Männer, die ihr Sperma für so super halten, dass es alle Probleme lösen werde. Sie müsse nur mit ihnen schlafen, schrieben einige. Melina Rost versucht, nicht viel darüber nachzudenken. Vielleicht sind solche Aufdringlichkeiten der Preis dafür, wenn eine Frau sich mit einem intimen Aufruf an die Öffentlichkeit wendet. Vor allem: Freundliche Reaktionen überwiegen. Die 39 Jahre alte Schauspielerin aus Charlottenburg hat viel Unterstützung aus dem ganzen Land erhalten, seit die Morgenpost vergangene Woche über sie berichtete.

„Berührt und sehr dankbar“

Mit ihrem Projekt ist sie eine Pionierin. Melina Rost sammelt Geld für eine künstliche Befruchtung auf einer Crowdfunding-Plattform (caremaker.com/melina). Weil sie auf natürlichem Weg nicht schwanger werden kann. Weil sie bereits 19.000 Euro für sieben Versuche bezahlt hat. Weil sie als ledige Frau nicht von der Krankenkasse unterstützt wird. Vor allem: Weil sie alles versuchen will.

Unterstützer hatten ihr bis Freitagnachmittag 906 Euro gespendet. „Berührt und sehr dankbar“ sei sie, sagt Rost immer wieder am Telefon. 5400 Euro benötigt sie, so viel kostet ein weiterer Versuch. Sobald sie 1500 Euro zusammenhat, sagt Rost nun, wird sie Hormonspritzen und weitere Medikamente bestellen, um erneut mit der mühevollen Behandlung zu beginnen. Sie will keine Zeit verlieren, in ihrem Alter nimmt die Qualität der Eizellen monatlich ab.

Also, noch mal für alle Männer: Sperma ist hier nicht das Problem. Rost hat sich zu Beginn ihrer Versuche für einen Spender aus einer Samenbank entschieden. Abgesehen davon, dass sie – wie alle anderen Frauen auch – nicht mit jedem Mann ein Kind will: Eine Gratisspende würde kaum Geld sparen. Es ist auch nicht so, dass Rost auf einen Mann verzichten will. Ein Partner verließ sie vor einigen Jahren, als bei ihr eine Autoimmunkrankheit festgestellt wurde. Die Behandlung hatte eine Schwangerschaft eine Zeit lang unmöglich gemacht. Von ihrem nächsten Partner trennte sie sich, weil er die künstliche Befruchtung nicht unterstützen wollte. Der Wunsch nach Kindern vereint und trennt Menschen. „Nun habe ich keine Zeit mehr zu warten, den richtigen Mann kennenzulernen.“ Auch auf eine Adoption hätte Rost als unverheiratete Frau in ihrem Alter kaum eine Chance. Außerdem ist ihr Lebenstraum ein eigenes Kind.

Mehr als fünf Millionen Menschen wurden künstlich gezeugt

Rund 250 Nachrichten hat Rost bekommen. Aus Deutschland, Österreich, der Schweiz. Viele von Frauen, denen es ähnlich geht wie ihr, die ihr gratulieren zu ihrem Mut. Auch von Frauen, die nur mit engsten Freunden über ihre künstliche Befruchtung sprechen würden, als sei es etwas Verbotenes. Dabei ist es ziemlich normal. Der „Spiegel“ meldete vergangene Woche, mehr als fünf Millionen Menschen seien inzwischen weltweit mit ärztlicher Hilfe gezeugt worden. Natürlich blieb auch der in sozialen Netzwerken unvermeidliche Spott nicht aus. „Ne fast 40-jährige Frau, die jetzt nen Rappel kriegt, um ihrem Leben nen Sinn zu geben“, schrieb ein junger Mann.

„Niemand muss mich unterstützen oder meinen Aufruf gut finden“, sagt Melina Rost. Auch „Verantwortungslosigkeit“ wurde ihr vorgeworfen. Warum, versteht sie nicht bei einer so sorgfältig geplanten Schwangerschaft. Ihrem Kind jedenfalls würde sie die Geschichte niemals verheimlichen.

Ihr Aufruf läuft noch 48 Tage. Auch wenn Melina Rost nicht die 5400 Euro erreicht, wird ihr das bis dahin gesammelte Geld gutgeschrieben. Was fehlt, wird sie sich leihen. Warum hat sie das nicht gleich so gemacht? „Ich arbeite freiberuflich und habe alle Rücklagen in meinen Kinderwunsch investiert. Ich schaffe es einfach nicht, den Betrag alleine aufzubringen.“ Kürzlich bekam sie ein lukratives Angebot. Eine Fernsehfirma bot ihr viel Geld, wenn sie sich nach der Geburt ihres Kindes von einem TV-Team hätte begleiten lassen. Auf gar keinen Fall, sagt Rost. „Das fühlt sich so an, als würde ich mein Kind verkaufen.“

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