Kommentar

Tragödie über den Alpen

Zum Schmerz und der Trauer über den Verlust der geliebten Menschen kommt für die Angehörigen nun die Fassungslosigkeit - über diese sinnlose Tat. Christine Richter über den Copiloten und den Absturz.

Was für eine Tragödie. Das, was wir uns nicht vorstellen können, nicht vorstellen wollen, ist offensichtlich geschehen: Der Copilot des Flugs 4U9525, ein junger Mann, hat die Maschine mit 149 Menschen an Bord absichtlich zum Absturz gebracht. Er nutzte die kurzzeitige Abwesenheit des Flugkapitäns aus, ließ diesen anschließend nicht mehr ins Cockpit zurück und ließ die Maschine dann bewusst über den Alpen abstürzen. Was für eine schreckliche Tragödie.

Die Menschen, die um ihre Familienangehörigen, ihre Kinder, ihre Freunde und Bekannten trauern, müssen nun auch noch mit dieser furchtbaren Nachricht leben. Wie soll das gehen, werden sich viele fragen. Würden doch all die Frauen und Männer und Kinder und Jugendlichen noch leben, wenn der Copilot keinen Suizid verübt hätte. Zum Schmerz und der Trauer über den Verlust der geliebten Menschen kommt nun die Fassungslosigkeit über diese Tat hinzu. Sinnlos – ja, das ist diese Tat wie jeder Terroranschlag auch, aber das Wort ist gleichzeitig auch viel zu harmlos für das, was dort an Bord der Maschine geschehen ist. Wir alle – auch wir, die wir die Menschen an Bord, die Passagiere und die Crew, also die Kolleginnen und Kollegen des Copiloten, nicht kannten – leiden mit. Nach den gestrigen Erkenntnissen ist unsere Trauer unermesslich geworden.

In all das Leid mischen sich jetzt noch mehr Fragen. Die Familienangehörigen, aber auch die Beschäftigten bei Germanwings und ihrer Muttergesellschaft Lufthansa wollen nun wissen, ob es Hinweise auf psychische Probleme bei dem Copiloten gab, ob Kollegen vielleicht schon etwas bemerkt hatten, ob das Kontrollnetz doch noch engmaschiger gezogen werden muss, ob das System der Cockpit-Türen nochmals neu gedacht werden muss. Die Türen sind ja völlig zu recht nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 verändert worden, kein Terrorist soll sich Zutritt ins Cockpit verschaffen können. Hätte sich jemand vorstellen können, dass ein Copilot in Selbstmordabsicht dies einmal ausnutzen und 149 Menschen mit in den Tod reißen würde?

Bei all der Fassungslosigkeit über das Drama gibt es aber auch eine beruhigende, eine wichtige Nachricht: Der Airbus A320 hatte offensichtlich keine technischen Probleme, es gab diese weder mit der Kabinenluft noch mit den Sensoren, über die so viel spekuliert worden war.

Es war ein Mensch, der den Tod so vieler Menschen verursacht hat. Es ist eine Tragödie.