USA

Berlinerin Debra Milke vor endgültiger Freilassung

1990 wurde Debra Milke zum Tode verurteilt. Jetzt dürfte sie bald endgültig in Freiheit sein. Der Oberste Gerichtshof hat einen neuen Prozess gegen die 51-Jährige abgelehnt.

Foto: Ross D. Franklin / AP

Die ehemalige US-Todeskandidatin Debra Milke dürfte bald endgültig in Freiheit sein. Der Oberste Gerichtshof des Bundesstaates Arizona entschied am Dienstag, dass sich die gebürtige Berlinerin keinem neuen Prozess wegen Mordes an ihrem vierjährigen Sohn stellen muss. Milkes Anwälte Lori Voepel und Michael Kimerer teilten mit, dass das Verfahren gegen ihre 51-jährige Mandantin damit kurz vor der Einstellung stehe.

Milke sei „erleichtert, dass in ihrem Fall endlich Gerechtigkeit hergestellt wurde und sie Recht bekommen hat“, hieß es in der Erklärung der Anwälte. Voepel und Kimerer dankten den Gerichten, „diesem schrecklichen Justizirrtum endlich ein Ende gesetzt zu haben“.

Milke war 1990 in Arizona zum Tode verurteilt worden, weil sie zwei Männer zum Mord an ihrem Sohn Christopher angestiftet haben soll. Das Urteil stützte sich vor allem auf die Aussage des leitenden Ermittlers Armando Saldate, dem Milke ihre Beteiligung an dem Verbrechen angeblich gestanden hatte. Ein unterschriebenes Geständnis gibt es aber ebenso wenig wie Tonaufnahmen oder Zeugen. Die damaligen Geschworenen erfuhren auch nicht, dass Saldate bereits wegen Falschaussage unter Eid aufgefallen war.

2013 wurde das Todesurteil aufgehoben

Milke beteuerte ihre Unschuld. Ein Bundesberufungsgericht kippte im März 2013 schließlich das umstrittene Todesurteil. Im darauf folgenden September durfte Milke das Gefängnis gegen Kaution verlassen. Die Staatsanwaltschaft von Arizona klagte die gebürtige Berlinerin aber zum zweiten Mal an und erklärte, erneut die Todesstrafe fordern zu wollen. Allerdings wollte Saldate nicht noch einmal in den Zeugenstand treten, weil er befürchtete, sich mit einer Aussage selbst zu belasten.

Vergangenen Dezember hob ein Berufungsgericht in Arizona die Anklage wieder auf, weil laut US-Recht niemand für dasselbe Verbrechen zwei Mal vor Gericht gestellt werden dürfe. Der Oberste Gerichtshof von Arizona lehnte es am Dienstag schließlich ab, sich mit einer Beschwerde der Staatsanwaltschaft gegen die Entscheidung des Berufungsgerichts zu befassen.

„Dunkler Tag“ für das Justizwesen in Arizona

Der Fall werde damit an das zuständige Bezirksgericht bei Phoenix zur Verfahrenseinstellung zurückgeschickt, erklärten Voepel und Kimerer. Medienberichten zufolge reichten die Anwälte im Namen von Milke vor einem Bundesgericht Zivilklage wegen Bürgerrechtsverletzungen gegen die Stadt Phoenix, die dortige Polizei und einzelne Ermittler ein.

Staatsanwalt Bill Montgomery sprach derweil von einem „dunklen Tag“ für das Justizwesen in Arizona. Der Oberste Gerichtshof des Bundesstaates habe „Opfer von Straftaten, insbesondere Christopher Milke, ihrer Rechte auf Fairness, ein rechtsstaatliches Verfahren und Gerechtigkeit beraubt“, erklärte er laut der Zeitung „The Arizona Republic“. Die beiden Männer, die Milkes Sohn im Dezember 1989 ermordeten, warten in der Todeszelle auf ihre Hinrichtung.