Prozess

„Costa Concordia“-Kapitän zu 16 Jahren Haft verurteilt

Francesco Schettino, der Ex-Kapitän des vor Italien havarierten Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“, muss für 16 Jahre ins Gefängnis. 32 Menschen waren bei dem Unglück gestorben.

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Der Kapitän der „Costa Concordia“ ist nach der Havarie des Kreuzfahrtschiffes vor drei Jahren zu 16 Jahren Haft verurteilt worden. Ein Gericht im italienischen Grosseto befand ihn am Mittwoch des mehrfachen Totschlags für schuldig.

Bei dem Unglück waren 2012 vor der toskanischen Küste 32 Menschen ums Leben gekommen. Kapitän Francesco Schettino wurde vorgeworfen, den Luxusdampfer auf ein Riff gefahren, selbst das Schiff vorzeitig verlassen und die Evakuierung verzögert zu haben. Unter den Todesopfern waren auch zwölf Deutsche.

Schettino ergeht sich in Selbstmitleid

Schettino hatte sein Schlusswort schluchzend abgebrochen. Vor den drei Richtern wiederholte er am Mittwoch, er solle zum alleinigen Sündenbock für das Unglück vor drei Jahren gemacht werden. Damals lief das Passagierschiff vor der toskanischen Insel Giglio auf ein Riff. Nach dem Schlusswort zog sich das Gericht in Grosseto zur Beratung zurück, ob Schettino der fahrlässigen Tötung schuldig ist.

Schettino sagte, er solle für wirtschaftliche Interessen geopfert werden, dafür solle sein Kopf rollen. Dann brach der 54-Jährige in Tränen aus, sagte noch „das reicht“ und konnte nicht weiter sprechen.

Schettino musste sich wegen fahrlässiger Tötung von 32 Menschen verantworten. Er soll sein Schiff verlassen haben, während viele der 4200 Passagiere und Besatzungsmitglieder noch an Bord waren.

Die Verhandlung fand in einem Theater in Grosseto statt, um Angehörigen von Opfern oder Überlebenden die Möglichkeit zu geben, den Prozess zu verfolgen. Seit Beginn des Prozesses im Juli 2013 waren viele Sitze aber meistens leer geblieben.

Schettino hatte die „Costa Concordia“ sehr nahe an Giglio heranfahren lassen. Dabei rammte sie ein Riff, das den Rumpf aufriss und Wasser eindringen ließ. Das große Schiff bekam Schlagseite. Obduktionen ergaben, dass die meisten Opfer – darunter zwölf Deutsche – an Bord ertranken oder bei einer chaotischen, verspätet eingeleiteten Evakuierung in den Tod sprangen.

Staatsanwaltschaft - „Unbesonnener Idiot“

Die Staatsanwaltschaft bezeichnete Schettino als „unbesonnenen Idioten“ und forderte 26 Jahre Haft. Die Verteidigung sprach in ihrem Schlussplädoyer von einem Unfall. Erst Ereignisse, nachdem das Schiff auf das Riff gelaufen sei, hätten „zum Tod dieser armen Menschen“ geführt.

Das entsprach Schettinos bisheriger Linie. Der Kapität hatte erklärt, wegen der Kollision sei niemand umgekommen, sondern wegen Problemen, die nicht unter seiner Kontrolle gewesen seien. So habe ein Steuermann seine Befehle vor und nach der Kollision vermasselt und einige Seeleute hätten nicht fließend Englisch oder Italienisch beherrscht, die Arbeitssprache auf dem Schiff.

Fünf weitere Mitarbeiter des Schiffseigners schlossen Prozessvereinbarungen ab. Keiner von ihnen kam in Haft.