Alanya

Deutsches Kunstsammler-Paar in der Türkei ermordet

Im türkischen Alanya ist ein deutsches Ehepaar in seinem Apartment erschlagen worden. Die Leichen wurden erst nach Tagen entdeckt. Der Sammler hinterlässt Hunderte Werke einer Berliner Künstlerin.

Foto: Bildagentur Huber/R. Schmid / pa/Bildagentur H/Bildagentur Huber

Ein deutsches Ehepaar ist im südtürkischen Urlaubsort Alanya ermordet worden. Das berichten türkische Zeitungen. Demnach hat die Polizei die Leichen des Paares in einer angemieteten Apartmentwohnung in einem mehrgeschossigen Wohnhaus entdeckt.

Bei den Toten handelt es sich nach Information der Berliner Morgenpost um den 65-jährigen Peter H. und seine 50-jährige Ehefrau Kerstin. Nach ersten Informationen geht die Polizei von einem Tötungsdelikt aus. Bevor beide mit Schlägen auf den Kopf getötet wurden, sind sie gefesselt und geknebelt worden.

Der Gärtner der Wohnanlage soll gegenüber der Polizei ausgesagt haben, dass er die Deutschen zuletzt am vergangenen Sonnabend gesehen habe. Verwandte hatten vor mehreren Tagen mehrfach versucht, Peter H. und seine Frau zu erreichen. Doch ohne Erfolg. Daraufhin informierten sie die Polizei in Alanya, die die Wohnungstür am Donnerstag aufbrach und dort die leblosen Körper entdeckte.

Das Ehepaar war im Juli dieses Jahres nach Alanya gekommen, um dort den Urlaub zu verbringen, berichtete die Zeitung „Today’s Zaman“. Anhaltspunkte für das Motiv der brutalen Tat liegen der Polizei bislang nicht vor. Ein Tatverdächtiger sei allerdings festgenommen worden. Die türkischen Behörden ermitteln weiter, derzeit laufen die Befragungen der in dem Apartmenthaus lebenden Anwohner und Urlauber. Eine Überführung der Toten in ihre Heimat ist erst nach Abschluss der Ermittlungen möglich.

Kunstliebhaber und Sammler

Peter H. und seine Frau wohnen seit etwa vier Jahren in Leipzig. Davor hatten sie in Potsdam am Schwielowsee gelebt. Die beiden Kunstliebhaber sorgten damals mit ihrem Umzug nach Sachsen für Aufsehen. Denn im Umzugsgepäck nach Leipzig befand sich eine große Sammlung der Grafikerin Gertrude Sandmann (1893-1981). Die jüdische Künstlerin hatte in Berlin die Nazizeit nur überlebt, weil sie vor ihrem Untertauchen im November 1942 per Brief ihren Selbstmord angekündigt hatte und anschließend bei einer Freundin bis zum Kriegsende unterkam. In der Nazizeit wurde sie als jüdische und lesbische Künstlerin verfolgt.

Mehrere Hundert Arbeiten der Künstlerin befinden sich im Besitz von Peter H. Und dies ist kein Zufall. Denn seine Mutter hatte ihm das Erbe der beinahe in Vergessenheit geratenen Berlinerin hinterlassen. Sie kannte die Künstlerin und war in Berlin die Sekretärin des damaligen Regierenden Bürgermeister Willy Brandt.

Testamentarisch hat Gertrude Sandmann ihr Lebenswerk, sofern es nicht im Krieg verbrannt war, drei Erben hinterlassen. Einen Teil erhielt die Mutter von Peter H. Vor elf Jahren schenkte sie ihm die Arbeiten. Und ehe sie 90-jährig im Jahr 2006 starb, hatte sie ihrem Sohn das Versprechen abgenommen, er möge sich um das „Sandmann’sche Erbe“ kümmern. Dazu zählten auch zahlreiche Tagebücher der Freundin der Künstlerin.

Seither setzen sich die Kunstliebhaber für eine posthume Würdigung der nach ihrer Überzeugung zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Künstlerin der Moderne ein. Zudem wollen sie den nicht unerheblichen schriftlichen Nachlass der Künstlerin erfassen und das Werkverzeichnis auf den neuesten Stand bringen. Die Vorbereitungen für zahlreiche bevorstehende Ausstellungen hatten das Ehepaar in den zurückliegenden Wochen stark in Anspruch genommen.