Fährunglück in Südkorea

Kaum noch Hoffnung auf weitere Überlebende

Auch einen Tag nach dem Untergang einer vor allem mit Schülern besetzten Fähre werden noch fast 300 Menschen vermisst. Die Küstenwache sieht kaum Chancen, dass noch Überlebende gefunden werden.

Die Zahl der Toten bei dem schweren Fährunglück vor Südkorea ist auf mindestens neun gestiegen. Noch immer würden 287 Menschen vermisst, teilte die Küstenwache am Donnerstag mit. Mit Flutlicht suchten die Boote der Marine und der Küstenwache auch die Nacht über weiter nach möglichen Überlebenden. Starke Strömung und schlechte Sicht erschwerten die Arbeiten aber erheblich.

Ein Sprecher der Küstenwache zeigte sich wenig hoffnungsvoll, noch Überlebende des schweren Unglücks zu finden. Die Chancen lägen bei „fast Null“, sagte er. Überlebende und Einsatzkräfte befürchteten, dass viele der Vermissten im Inneren des Schiffs eingeschlossen worden sein könnten und dass daher die Opferzahl noch drastisch steigt.

Mehr als 400 Rettungskräften waren die Nacht hindurch und am Morgen im Einsatz, um nach den Vermissten zu suchen, wie der Sprecher der Küstenwache, Kim Jae In, mitteilte. Innerhalb von zwei Tagen sollten Kranschiff eintreffen, um bei der Bergung der gekenterten Fähre zu helfen.

Taucher hätten die ganze Zeit versucht, in das Schiff zu gelangen. Wegen der starken Strömung sei das aber nicht möglich gewesen. Ein Sprecher der US-Regierung erklärte, die USA und ihre in der Region stationierte 7. Flotte stünden bereit, um zu helfen.

„Plötzlich gesunken“ - Ursache noch völlig unklar

Die Fähre war am Mittwochmorgen auf dem Weg zu der Insel Jeju gekentert und gesunken. An Bord waren insgesamt 475 Passagiere, die meisten von ihnen Schüler auf dem Weg zu einem Ausflug. Insgesamt 179 Insassen des gesunkenen Schiffes wurden gerettet.

Die Ursache für die Tragödie blieb zunächst weiter unklar. Der Kapitän der Fähre, Lee Joon Seok, sagte der Zeitung „Dong A Ilbo“, die Fähre sei „plötzlich gesunken“ und er wisse nicht, weshalb. Er habe keinen Felsen gerammt.

Die Geretteten wurden zunächst auf die nahe gelegene Insel Jindo gebracht und mit dem Nötigsten versorgt. Fotos zeigten einige der durchnässten Schüler, in Decken gehüllt und ohne Schuhe. Sanitäter versorgten sie. Die Wassertemperatur lag bei etwa zwölf Grad Celsius, Experten zufolge kalt genug für eine Unterkühlung nach gut zwei Stunden im Wasser.

Die Fähre wurde laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Yonhap 1994 in Japan gebaut. Sie konnte 921 Menschen, 180 Fahrzeuge und 152 Container transportieren. Nach Angaben des koreanischen Seefahrtsministeriums ereigneten sich die schwersten Schiffsunglücke des Landes 1970 mit 323 Toten und 1993 mit 292 Toten.