Vermisstes Flugzeug

Deutsches Mini-U-Boot soll Flug MH370 aufspüren

Das U-Boot „Abyss“ der Kieler Ozeanologen hatte bereits 2011 das Wrack der vor Brasilien abgestürzten Air-France-Maschine gefunden. Die Forscher wollen jetzt das malaysische Flugzeug aufspüren.

Foto: Carsten Rehder / dpa

Mit der Auswertung von Satellitenbildern verdichten sich die Anzeichen dafür, dass die verschollene Malaysia Airlines-Boeing MH370 im südlichen Indischen Ozean zerschellt ist. Am Sonntag wurden neue Aufnahmen eines französischen Satelliten bekannt, die mögliche Wrackteile zeigen. Am Tag zuvor hatte China ähnliche Aufnahmen veröffentlicht, außerdem erspähte eine Flugzeugbesatzung Objekte im Wasser.

Doch bis Sonntag wurden die Gegenstände nicht gefunden und auch nicht als Teil der Boeing identifiziert. Deutsche Ozeanologen aus Kiel wollen jetzt mit einem speziellen Mini-U-Boot auf Wracksuche gehen.

„Wir hoffen auf einen Durchbruch“, sagte der australische Vize-Regierungschef Warren Truss bei einem Besuch in der Zentrale der Seesicherheitsbehörde Amsa in der Hauptstadt Canberra. Amsa koordiniert die Suche in dem abgelegenen Seegebiet rund 2500 Kilometer südwestlich von Perth. „Wir werden weitermachen, so lange es Hoffnung gibt.“

Suche in Meerestiefen ab 3000 Metern

Dabei soll sobald wie möglich auch Hilfe aus Deutschland kommen. Der Direktor des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Peter Herzig sagte, er erwarte einen entsprechenden Auftrag, sollten erste Trümmer gefunden werden. Das U-Boot „Abyss“ aus Kiel ist demnach eines von weltweit drei Exemplaren, die für eine Suche in Meerestiefen ab 3000 Metern geeignet sind.

Die Ozeanologen wollen mit dem Woods-Hole-Institut in den USA kooperieren, das die beiden anderen U-Boote betreibt. „Wir haben uns mit den amerikanischen Kollegen bereits abgesprochen, dass wir die Suche wieder gemeinsam machen“, sagte Herzig dem „Spiegel“. „Mit dem Sonar von drei U-Booten lässt sich simultan eine viel größere Fläche absuchen.“ Das vier Meter lange U-Boot wird derzeit am Kieler Hafen gewartet. „Wir tauschen die Batterien aus, warten den Antrieb und die Sensoren des Tauchgefährts“, sagte Herzig.

Nach dem Fund des Trümmerfelds der abgestürzten Air-France-Maschine mit der Flugnummer AF 447 im Atlantik im Frühjahr 2011 mit dem Kieler U-Boot hofft Herzig nun, auch bei der Suche nach der verschollenen malaysischen Boeing helfen zu können. „Wenn es uns gelingt, den Suchort einzugrenzen, dann bin ich auch optimistisch, dass wir das Wrack auf dem Boden finden werden.“

Kampf gegen das Wetter und die Uhr

Am Sonntag erschwerten allerdings Nebel und tief hängende Wolken die Suche, wie John Young sagte, Amsa-Abteilungsleiter für Noteinsätze. Insgesamt waren acht Flugzeuge im Einsatz. Ein neuseeländisches Aufklärungsflugzeug mit Spezialkameras versuchte vergeblich, die Gegenstände zu finden, die eine andere Crew beim Überflug am Sonnabend als „eine Art Holzpalette und Haltegurte“ beschrieben hatte. „Wir haben uns bei den Experten schlaugemacht, solche Paletten und Gurte werden durchaus in der Luftfracht verwendet“, sagte Mike Barton von Amsa.

Dabei ist die Suche nicht nur ein Kampf gegen das Wetter, sondern auch gegen die Uhr: Die Hälfte der Zeit, in der die Blackbox der vermissten malaysischen Boeing akustische Signale aussendet, dürfte bereits verstrichen sein. Die Kästen, die an Bord jedes kommerziellen Flugzeugs mitfliegen, machen nur etwa 30 Tage lang auf sich aufmerksam – dann ist die Batterie leer. Die Maschine der Malaysian Airlines ist seit dem 8. März 2014 vermisst. Funkstille ist demnach etwa ab dem 7. April 2014.