Bayern

Ein Toter nach Schießerei in Zug – Verletzter im Koma

Eine Polizeikontrolle in einem vollbesetzten Zug in Bayern ist am Freitag eskaliert. Erst kam es zu einer Schlägerei, dann fielen Schüsse. Ein Täter starb auf der Flucht, er wurde überrollt.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Ein Toter, drei Schwerverletzte und 400 geschockte Fahrgäste – nach der Schießerei in einer Regionalbahn im Allgäu sind die genauen Hintergründe noch immer unklar.

„Die Ermittlungen gehen weiter“, erklärte Kemptens Leitender Oberstaatsanwalt Herbert Pollert am Sonnabend. Zu Details – etwa dem Verlust einer Dienstwaffe eines Bundespolizisten – wollte er sich nicht äußern.

Alle drei Verletzten seien außer Lebensgefahr. Ein überlebender Täter liegt jedoch im Koma. „Sein Zustand ist stabil, akute Lebensgefahr besteht im Moment nicht mehr“, teilte das Polizeipräsidium München am Sonnabend mit.

Der Mann war bei dem Versuch, bei hoher Geschwindigkeit aus dem fahrenden Zug zu fliehen, schwer verletzt worden. Sein Komplize wurde dabei überrollt und war sofort tot.

Einer der beiden Polizeibeamten, die bei dem dramatischen Zwischenfall am Freitag verletzt worden waren, konnte nach Behandlung einer Platzwunde die Klinik bereits wieder verlassen.

Sein Kollege, der durch einen Beinschuss schwer verletzt worden war, muss nach Angaben der Polizei dagegen noch einige Tage im Krankenhaus bleiben.

Da auch ein Beamter des Landeskriminalamtes (LKA) an dem Schusswechsel beteiligt war, wurde das Polizeipräsidium München mit der Bearbeitung beauftragt. Die Bahnstrecke zwischen Kempten und Kaufbeuren war auch am Sonnabend zeitweise wegen der Spurensicherung gesperrt.

Plötzlich fielen Schüsse

Am Freitagnachmittag hatte es bei einer Routinekontrolle im voll besetzten Regionalzug „Alex“ eine blutige Auseinandersetzung zwischen Polizisten und mutmaßlichen Straftätern gegeben.

Zwei Bundespolizisten war aufgefallen, dass ein Passagier zur Fahndung ausgeschrieben war. Gegen den 20-Jährigen lag ein Haftbefehl zur Vollstreckung einer Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten wegen räuberischen Diebstahls vor.

Es kam zu einer Schlägerei, in deren Folge einer der Beamten seine Dienstwaffe verlor und plötzlich mehrere Schüsse fielen. „Durch wen und in welche Richtung geschossen wurde, ist noch Gegenstand der Ermittlungen“, sagte am Freitagabend ein Polizeisprecher.

Ein 44 Jahre alter Bundespolizist erlitt einen Beinschuss und musste operiert werden, sein Kollege wurde durch einen Hieb auf den Kopf schwer verletzt. Ein zufällig anwesender LKA-Beamter hörte die Schüsse und eilte zu dem Abteil. Er schoss mehrmals auf die Täter.

Panikartige Situationen im Zug

In dem Regionalzug kam es nach Zeugenaussagen zu panikartigen Situationen. Ein Zugbegleiter forderte die Fahrgäste über Lautsprecher auf, sich im hinteren Zugteil in Sicherheit zu bringen, wie ein Augenzeuge der „Allgäuer Zeitung“ sagte. Bei Günzach zog jemand die Notbremse. Einige Passagiere flüchteten in einen nahe gelegenen Wald, offenbar sprangen auch die Täter aus dem Zug.

Die Leiche des 20-Jährigen wurde an den Gleisen gefunden. „Es ist gut möglich, dass die beiden Täter noch beim Rollen des Zuges herausgesprungen sind“, sagte der Polizeisprecher.

Die Ermittler stellten zwei Waffen sicher, darunter die des Bundespolizisten.