2. Prozesstag

Hoeneß soll 27 Millionen Euro Steuern hinterzogen haben

FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat nach neuen Erkenntnissen sogar mindestens 27,2 Millionen Euro an Steuern hinterzogen. Eine schnelle Urteilsverkündung wird immer unwahrscheinlicher.

Foto: Getty Images

Die Beträge im Prozess gegen FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß schrauben sich immer weiter in die Höhe. Die Steuerfahndung bezifferte die Steuerschuld des Fußballmanagers am Dienstag vor dem Landgericht München auf nun insgesamt 27,2 Millionen Euro.

Eine Summe von 23,7 Millionen Euro ergebe sich aus neuesten Daten über Devisengeschäfte. Die von der Finanzbeamtin nun genannte Summe ist sogar noch eine „Best-Case“-Rechnung zugunsten des Angeklagten, hieße es am Dienstag.

Hoeneß verfolgte die Entwicklung mit hochrotem Kopf. Der Bayern-Patron muss nach der weiteren Verschärfung seiner Lage mehr denn je eine Freiheitsstrafe befürchten. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn wegen 3,5 Millionen Euro hinterzogenen Steuern angeklagt. Da die Hauptverhandlung läuft, schützt es Hoeneß nicht, dass die Strafverfolger zunächst nicht die gesamte Summe aufdeckten.

Die neue Millionensumme der Finanzbeamtin wurde leise am Richtertisch verkündet. Sie basiert auf einer ersten Durchsicht des neuen Materials. Auch die von der Verteidigung nachgereichten Angaben sollen noch Lücken aufweisen. „Hier fehlen 1,7 Millionen, von denen keiner weiß, wo sie sind“, sagte Richter Rupert Heindl einmal.

Am Montag waren es noch 18,5 Millionen

Der 62-Jährige selbst hatte am Montag eingeräumt, insgesamt 18,5 Millionen Euro nicht gezahlt zu haben.

Am zweiten Prozesstag sagte die Finanzbeamtin aus, die in vergangenen Tagen mit der Prüfung der erst kürzlichen von Hoeneß vorgelegten Dokumenten beauftragt war. Hoeneß türmte der Rosenheimer Steuerfahnderin zufolge in den Jahren bis 2005 mit seinen Devisenspekulationen ein gewaltiges Vermögen auf. Der Saldo seiner Konten bei der Bank Vontobel habe mehr als 150 Millionen Euro betragen, erklärte die Beamtin. In manchen Jahren habe der Gewinn mehr als 30 Millionen Euro betragen.

Für Aufregung sorgte die 45 Jahre alte Zeugin mit einem Detail: Eine Datei auf einem USB-Stick, den die Steuerfahndung erst im Februar von Hoeneß' Anwälten erhalten habe, sei bereits vor gut einem Jahr kurz nach dessen Selbstanzeige erstellt worden. Dies sei von EDV-Experten ihres Hauses ermittelt worden, erklärte sie im Zeugenstand. Die Kammer lud für Mittwoch den Spezialisten der Steuerfahndung vor.

Hoeneß schwieg am Dienstag

Der Fußballmanager hatte sich am Montag reumütig gezeigt und beteuert, er wolle zur vollen Steuerehrlichkeit zurückkehren. Am zweiten Verhandlungstag schwieg er, während eine Vertreterin der Steuerfahndung Rosenheim sein steuerliches Sündenregister vortrug und auf Basis neuer Datenberge aus Zürich ihre jüngste Schätzung abgab. Hoeneß droht eine mehrjährige Gefängnisstrafe.

Der Prozess war ursprünglich auf vier Verhandlungstage angesetzt. Angesichts der immer komplexeren Sachlage wird damit gerechnet, dass Richter Rupert Heindl weitere Termine plant. Für Mittwoch ließ er auch den für Hoeneß zuständigen Betriebsprüfer als Zeugen laden.

Offen ist in dem Prozess, ob Hoeneß seine Vergehen rechtzeitig und umfassend beim Finanzamt anzeigt, so dass er eine Gefängnisstrafe abwenden kann. Auf Steuerhinterziehung stehen bis zu fünf Jahre Haft, in besonders schweren Fällen zehn Jahre. Der Fußballmanager beruft sich darauf, dass das Gesetz Steuerhinterziehern bei einer Selbstanzeige Straffreiheit gewährt.

Fans stärken ihrem Idol den Rücken

Die Affäre hat auch die Debatte über den Umgang mit prominenten Steuersündern befeuert. Die Selbstanzeige wird öfter genutzt, um einer Strafverfolgung zu entgehen.

Fans des FC Bayern stärkten ihrem Idol auch am zweiten Verhandlungstag den Rücken. Sie verweisen auf die jahrzehntelangen Verdienste des Ex-Fußballers und Weltmeisters von 1974. Im Gerichtssaal trugen Hoeneß-Unterstützer Fanschals des FC Bayern und T-Shirts mit der Aufschrift „Mia san Uli“.

Hoeneß hatte am 17. Januar 2013 eine Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung abgegeben. Die Staatsanwaltschaft erkannte diese aber als unvollständig nicht an und klagte Hoeneß deshalb wegen Steuerhinterziehung an.

Die Verteidigung betonte nun, die Datei sei nach und nach vervollständigt und erst kurz vor Prozessbeginn fertiggestellt worden. Nach Angaben der Steuerfahnderin gaben die Behörden Hoeneß und seinen Beratern die Gelegenheit, die Selbstanzeige nachzubessern. Erst danach leiteten sie ein Ermittlungsverfahren ein und durchsuchten das Anwesen von Hoeneß am Tegernsee.

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