Weltmeisterschaften

Von Nacktrodeln bis Gummistiefelwurf - Olympia mal anders

Mit Olympia hat das nichts zu tun, dennoch locken verrückte Sportarten wie Nacktrodeln regelmäßig Tausende Zuschauer an. Vor allem Finnen und Briten denken sich gern neue Wettkämpfe aus. Eine Auswahl.

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Nacktrodeln

Fast splitternackt mit dem Schlitten die steile Piste hinunter – und die Menge tobt. Die 24 Jahre alte Anika Lengsfeld aus Burg in Sachsen-Anhalt ist aktuelle „Nacktrodel-Weltmeisterin“. Sie setzte sich Sonnabend auf dem Flughafengelände in Cochstedt bei Magdeburg gegen 20 Mitbewerberinnen durch. Dschungelkönigin Melanie Müller, 25, aus Leipzig, schied im Halbfinale aus und landete auf Platz drei. Bei den Männern gewann Maurice Berg, 25, aus Adelheidsdorf bei Celle.

Auf dem Gelände hatte der veranstaltende Radiosender eine 25 Meter lange Kunstschneerampe anlegen lassen. Nur mit einem knappen Höschen, Helm und Handschuhen bekleidet versuchten die etwa 40 Teilnehmer aus mehreren Ländern im K.o.-System, schnell die Piste herunterzukommen. Das Wetter meinte es bei Temperaturen um 13 Grad gut mit den Nacktrodlern. 8000 Schaulustige verfolgten das Spektakel.

Handyweitwurf

Die Finnen als Erfinder dieser Sportart beherrschen seit Jahren auch die Weltmeisterschaften in der Stadt Savonlinna. In der Heimat des Handyherstellers Nokia wird im traditionellen Stil das Handy über die Schulter geworfen. Es zählt die Weite – den Weltrekord mit 101,46 Metern hält der 18-jährige Finne Ere Karjalainen. Im Freestyle werden Ästhetik und Choreografie des Wurfs gewertet. Die Organisatoren stellen die offiziellen WM-Mobiltelefone, unterschiedliche Modelle und Hersteller. Die nächsten Titelkämpfe finden im August statt.

Frauentragen

Mal huckepack, mal kopfüber am Rücken des Läufers – beim Frauentragen hat jeder seine eigene Technik. Die Weltmeisterschaft gibt es seit 1992 im finnischen Sonkajärvi. Inspiriert wurden die Veranstalter vom Räuber Herkko Rosvo-Rinkainen, der Ende des 19. Jahrhunderts Frauen auf diese Weise entführt haben soll. 2013 kämpften sich 40 Paare im Sprint oder in Mannschaftsrennen über den 253,5 Meter langen Parcours.

Das Team aus Mann und Frau darf höchstens einen Gürtel mit sich führen und sich nur fortbewegen, solange die Frau vom Mann getragen wird. Der Weltrekord lag im Juli 2011 bei 55,5 Sekunden. Nationale Wettbewerbe gibt es in Deutschland, Irland, Österreich und den USA. Am 3. November 2013 gab es im „Tropical Islands“ eine berlin-brandenburgische Auflage der Kämpfe. Die nächste WM ist 4. und 5. Juli in Finnland.

Frettchen in der Hose

Um die Fleischfresser mit den scharfen Zähnen entwickelten Pub-Besucher im englischen Yorkshire in den 70er-Jahren einen skurrilen Wettstreit. Beim „Ferret Legging“ werden Frettchen in Herrchens zugebundene Hose gesteckt. Gewonnen hat, wer es am längsten aushält. Den Weltrekord schaffte 2012 ein 72-jähriger Brite mit fünf Stunden und 26 Minuten – trotz zweier tiefer Bisse.

Schienbeintreten

Auch nichts für Weicheier ist dieser jahrhundertealte britische Sport mit einfachen Regeln. Alljährlich treffen sich im Mai oder Juni auf dem Dover’s Hill bei Chipping Camden in der Grafschaft Gloucestershire ganze Kerle zum Wettstreit. Dabei halten sie sich im Zweikampf an den Armen und treten aufeinander ein. Verloren hat, wer umfällt. Zur Linderung der Schmerzen ist es erlaubt, sich Stroh in die Hosenbeine zu stopfen.

Käserennen

Beim „Cheese Rolling“ in Cooper’s Hill im englischen Brockworth rennen Wagemutige einem Käse hinterher, der 200 Meter einen Hügel hinabrollt. Der Käse erreicht bis zu 110 km/h. Der Erste im Ziel bekommt den Laib der Sorte Double Gloucester. Die Tradition geht angeblich auf die Römerzeit zurück. Als gesichert gilt, dass es das Rennen seit 200 Jahren gibt.

Moorschnorcheln

Im walisischen Llandrindod Wells steigen in jedem Sommer rund 100 Freizeitsportler in die braune Brühe eines Sumpfgrabens. Bei Sichtweiten unter zehn Zentimetern messen sie sich auf einer 100-Meter-Unterwasserstrecke im Moorschnorcheln. 1976 das erste Mal ausgetragen, findet das „Bog Snorkelling“ nahe Llanwrtyd seit 1985 sogar als Weltmeisterschaft statt.

Gummistiefelweitwurf

Der Legende nach ersannen Seeleute vor 120 Jahren den Wettbewerb. Seit immerhin 40 Jahren gibt es finnische Meisterschaften im Gummistiefelweitwurf, seit 1992 die erste WM. Den Weltrekord hält der Finne Antti Ruusuvirta mit 68,03 Metern, die deutsche Bestweite warf mit 53,23 Metern Christoph Geist vom Verein „Spitzsteingummi 05“ aus Döbeln in Sachsen.