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Orkantief „Xaver“ bringt Sturm und Kälte nach Berlin

Über Grönland braut sich Orkantief „Xaver“ zusammen. Der Sturm zieht nach Deutschland, an der Nordsee droht eine schwere Sturmflut. Auch in Berlin wird es äußerst ungemütlich.

Foto: Carsten Rehder / dpa

Das Orkantief „Xaver“ lässt auch Berlin und Brandenburg nicht ungeschoren. Starke Sturmböen mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde fegen von Donnerstagnachmittag bis Freitag über die Hauptstadt und das Umland.

Heftig stürmen werde es dann vor allem zwischen 15 und 20 Uhr, sagt Jürgen Schmidt, Meteorologe und Geschäftsführer des Wetterkontors in Ingelheim. „Wir erwarten dann für Berlin Böen mit Maximalgeschwindigkeiten von 100 oder 110 Kilometer pro Stunde. Das wird auf jeden Fall Windstärke 10, eventuell auch 11. Einen extremen Orkan wird es aber nicht geben, da können wir beruhigen.“ Schwere Regenschauer und teilweise auch Schneeregen begleiten den Sturm.

Wie gefährlich der Sturm für Menschen und Gebäude wird, sei schwer zu sagen. Es sei aber zu erwarten, dass der eine oder andere Baum umstürzt, sagt der Wissenschaftler. Auch für Weihnachtsmärkte sieht Schmidt gewisse Risiken. Zwischen den Buden hängende Beleuchtungen, Schirme und Heizpilze könnten umgerissen werden. „Auf jeden Fall sollte man in dieser Zeit keine Waldspaziergänge machen. Abbrechende Äste sind eine Gefahr.“

Auf den Weihnachtsmärkten sollten Stände, Buden und Dekoration möglichst gesichert und befestigt werden. Gerade in den Straßenzügen und zwischen Häusern könnte sich der Wind durch Verwirbelungen noch verstärken.

Im Norden Brandenburgs ist der Wind heftiger als in südlichen Landesteilen, weil das Zentrum des Sturms noch weiter nördlich über Skandinavien liegt. Der Höhepunkt ist am Donnerstagabend, aber auch am Freitag ist es weiterhin extrem windig bis stürmisch. Begleitet wird der Orkan von einem kurzen Wintereinbruch mit niedrigen Temperaturen.

In der folgenden Nacht und auch noch im Verlauf des Freitags bleibt es stürmisch. Wenn auch nicht mit orkanartigen Böen, so doch mit Windgeschwindigkeiten von 80 bis 90 Kilometer pro Stunde (Windstärke 9). Erst am Sonnabend lässt der Wind langsam nach.

Mit dem Sturm kommt ein Wintereinbruch

Mit der größten Windstärke am Donnerstagnachmittag und -abend zieht dann auch eine Kaltfront über die Region. Wie jedes Tiefdruckgebiet besteht auch Xaver aus einem Warmluft- und einem nachfolgenden Kaltluftsegment. Die einbrechende Kaltluft sorgt für starke Winde und Gewitter – und einen kleinen Wintereinbruch.

Die Wetterexperten erwarten, dass die Temperaturen dann von etwa fünf Grad auf der Vorderseite der Kaltfront auf etwa null Grad sinken. „Es können Schneeschauer fallen, unter Umständen gibt es auch etwas länger Schnee“, sagt Schmidt. Vor allem in den Morgen- und Abendstunden besteht auf den Straßen Glättegefahr. Aber grundsätzlich dürften die Temperaturen am Freitag knapp über null Grad bleiben, sagt der Wetterexperte.

Orkanböen von bis zu 140 Kilometern pro Stunde im Norden

An der Nordseeküste sei ab Donnerstag mit teils extremen Orkanböen zu rechnen. Bis weit ins Hinterland hinein werde starker Sturm herrschen. „Xaver“ bringe zudem kalte Polarluft und damit verbundene Schneefälle mit sich. Vor allem im Bergland sei mit stärkeren Schneefällen und sogar Verwehungen zu rechnen. Erst in der Nacht zum Sonnabend soll es allmählich aufhören zu schneien.

Das Hamburger Institut für Wetter- und Klimakommunikation warnt für Donnerstag an der deutschen Nordseeküste und vor allem in Nordfriesland vor extremen Orkanböen von bis zu 140 Kilometern pro Stunde. Orkan- und Sturmböen seien bis hinein nach Nordrhein-Westfalen, Berlin und Sachen-Anhalt möglich.

Insgesamt würden die Windgeschwindigkeiten an der Küste aber wahrscheinlich unter denen des vorigen Sturmtiefs „Christian“ bleiben, teilte das Institut mit. Dieses war Ende Oktober über West- und Nordeuropa gezogen und hatte teils schwere Schäden angerichtet.

Schon am Donnerstagmorgen wurden Sturmböen erwartet, die später an der See, im nördlichen Schleswig-Holstein und auf den höheren Bergen zu Orkanböen bis zur der Stärke 12 anwachsen können.

Sturmflutsorgen in Hamburg

In Hamburg wird es wohl am Donnerstagvormittag losgehen, am Freitag sollen die Böen dann etwas schwächer sein. Dann allerdings kommen nach der Vorhersage auch Schneeschauer dazu. „Xaver“ sei nach bisheriger Einschätzung mindestens so stark wie Orkan „Christian“, der Ende Oktober über Norddeutschland hinweggefegt war, hieß beim DWD. „Aber ‚Xaver‘ dauert viel länger.“

Das Umweltministerium in Kiel erwartete für die Nacht zu Freitag am Eidersperrwerk 2,50 Meter über dem mittleren Tidehochwasser. „Das ist genau die Grenze zu einer schweren Sturmflut“, sagte der Abteilungsleiter für Küstenschutz, Dietmar Wienholdt. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass am Freitag eine weitere Sturmflut nachkommt.“ Aber erst bei Wasserständen von mehr als 3,5 Metern seien die Deiche in Gefahr.

„Sorgen macht uns die Sturmflut eher für die sandigen Küsten“, erläuterte Wienholdt. Hier sei mit erheblichen Sandverlusten zu rechnen. „Die Halligen werden wieder Land unter melden – je nach Höhe der Sturmflut.“ Insgesamt sei Schleswig-Holstein gut gerüstet, sagte Wienholdt. „Die Deiche sind wintersicher. Sie werden auch ohne Probleme eine Sturmflut wie 1962 oder 1976 überstehen.“

Auch die niedersächsische Küste und die ostfriesischen Inseln sind von Sturmflut bedroht. „Nach den Prognosewerten liegen besonders in der Nacht zum Freitag die Wasserstände zwei Meter höher als normal“, sagte Herma Heyken vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) im ostfriesischen Norden. Bei einer solchen Höhe sprechen die Experten von einer schweren Sturmflut.

Foto: Deutscher Wetterdienst / Wetterkontor